Fünf Polizeibeamte sind am Mittwoch im westmexikanischen Bundesstaat Michoacan bei einem Angriff getötet worden, fünf weitere wurden verletzt. Der Angriff in Nahuatzen trifft Mexiko an dem Tag, an dem sich Mexiko City auf den Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft vorbereitet.
Für die Hauptstadt ist es ein Tag mit ungewöhnlich hoher Anspannung. Das Eröffnungsspiel ist für 13 Uhr Ortszeit zwischen Mexiko und Südafrika angesetzt, die Zeremonie soll anderthalb Stunden früher beginnen. Behörden wollen dafür die FIFA-Maßnahme „Letzte Meile“ anwenden: Zufahrtsstraßen zum Aztekenstadion sollen schrittweise gesperrt und die Zugänge kontrolliert werden, bis 1,6 Kilometer vor dem Stadion soll die Strecke komplett dicht sein. Danach sollen nur Fußgänger, Radfahrer und autorisierte Fahrzeuge weiterkommen.
Die Wirkung dieser Pläne misst sich nicht nur an den Tribünen. In der Stadt waren hunderte Polizisten und Mitglieder der Nationalgarde sichtbar, und das Fan-Festival am Zócalo stand ebenfalls unter Druck. Weniger als 24 Stunden vor dem Anpfiff wurden schwer bewaffnete Beamte zum Flughafen geschickt, weil weitere Lehrerproteste befürchtet wurden.
Genau diese Proteste sind der zweite Grund, warum der heutige Tag in Mexiko City so angespannt ist. Die Gewerkschaft CNTE hatte bereits seit Tagen demonstriert, am Vorabend des WM-Auftakts endete ein Treffen mit Regierungsvertretern ohne Einigung. Die Gruppe fordert die Abschaffung einer Rentenreform aus dem Jahr 2007 und protestiert seit vielen Jahren regelmäßig nach dem Tag der Lehrkräfte im Mai.
Und doch setzt die Regierung auf Beruhigung. Sie sagt, die Sicherheit der Fußballfans sei nicht gefährdet, obwohl gleichzeitig fünf Polizisten in Michoacan getötet wurden und die Hauptstadt von Protesten und Sperren geprägt ist. In Nahuatzen operiert das Jalisco New Generation-Kartell, und die Behörden suchten am Mittwoch mit einem Großeinsatz nach den Tätern.
Der Ort des Angriffs liegt rund 300 Kilometer von den WM-Städten Mexiko City und Guadalajara entfernt, aber die Entfernung ändert wenig an der politischen Wirkung. Claudia Sheinbaum, seit dem 1. Oktober 2024 im Amt, hatte Lehrkräften bereits Verbesserungen angeboten. Ob diese Zugeständnisse die CNTE noch bewegen und ob die „Letzte Meile“ Stadion und Fanfest tatsächlich abschirmt, ist die offene Frage dieses WM-Tages.

