Alexander Zverev hat ein Interview mit der französischen Sportzeitung L'Équipe vorzeitig beendet, nachdem das Gespräch auf frühere Vorwürfe häuslicher Gewalt kam. Der Tennisstar saß dabei in einem Auto auf dem Weg zu einem Fotoshooting, kurz nach seinem ersten Grand-Slam-Titel bei den French Open.
Gerade dieser Zeitpunkt machte den Abbruch bemerkenswert. Zverev hatte in Paris den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert, doch kaum war der Sieg verdaut, holten ihn die alten Fragen wieder ein. Das Interview drehte sich nach einem Ruf beim US Open 2025 erneut um die Anschuldigungen gegen ihn, als ein Zuschauer „Australien glaubt Olga und Brenda“ gerufen hatte.
Auf die Nachfrage, ob ihn das störe, dass Medien weiter über die Vorwürfe berichteten, reagierte Zverev erst gereizt. Er sagte: „Moment, zunächst mal ist es nicht diese Art von Interview. Und außerdem weißt du, dass die Anschuldigungen für falsch befunden wurden?“ Später fügte er hinzu: „Es ist nicht meine Entscheidung. Ich habe alles getan, was ich konnte und meine Unschuld wurde bewiesen.“
Genau an diesem Punkt liegt der Bruch zwischen seiner Darstellung und dem Stand der Verfahren. Im Fall seiner ehemaligen Partnerin Brenda Patea hatte ein Gericht im Oktober 2023 zunächst einen Strafbefehl über 450.000 Euro gegen Zverev erlassen. Er legte Einspruch ein, später einigten sich die Seiten außergerichtlich. Zverev zahlte 200.000 Euro, darunter 150.000 Euro an die Staatskasse und 50.000 Euro an gemeinnützige Organisationen. Das Vergleichsabkommen enthielt kein Schuldeingeständnis, und das Verfahren endete ohne Urteil über Schuld oder Unschuld.
Auch Olga Sharypova gehört zu dem Hintergrund, den das Gespräch streifte; beide Frauen werden als frühere Partnerinnen genannt, die Vorwürfe erhoben hatten. L'Équipe hatte bereits am Vortag einen Text veröffentlicht, der Zverevs Sieg mit den Vorwürfen häuslicher Gewalt verknüpfte. Als der Reporter weiter nachhakte, ob es nicht unfair sei, dass die Berichte nicht aufhörten, beendete Zverev das Gespräch mit den Worten: „Ich weiß es nicht. Ich denke, wir sollten aufhören, das ist besser.“
Was bleibt, ist keine neue sportliche Geschichte, sondern eine alte, die sich an einem Tag des größten Erfolgs wieder in den Vordergrund schob. Zverev hat den Titel gewonnen, aber die Fragen, die ihn seit Jahren begleiten, verschwinden nicht mit einer Trophäe. Ob er sich dazu noch einmal ausführlich äußern wird, ist nach diesem Abbruch offen.

