Alexander Zverev hat sich im French-Open-Finale gegen Flavio Cobolli selbst Insulin gespritzt, während er um seinen ersten Grand-Slam-Titel spielte. Der 29 Jahre alte Deutsche wurde gesehen, wie er sich auf dem Weg in einen vierten Satz behandelte, nachdem er den ersten Satz 6:1 gewonnen, den zweiten abgegeben und den dritten mit 6:4 zurückgeholt hatte.
Genau deshalb wird die Szene so breit gesucht: Sie passierte nicht neben dem Tennis, sondern mitten im wichtigsten Moment des Turniers. Zverev ist seit seinem vierten Lebensjahr von Typ-1-Diabetes betroffen und muss regelmäßig Insulin nehmen, um seinen Blutzucker stabil zu halten. Auf der größten Bühne des Sports zeigte sich damit nicht nur ein Match gegen Flavio Cobolli, sondern auch der ständige medizinische Aufwand, der für ihn dazugehört.
Zverev hat diesen Aufwand selbst einmal so beschrieben: Er sei seit dem vierten Lebensjahr Diabetiker und habe eine Stiftung gegründet, die nicht nur Athleten mit Diabetes, sondern auch Kinder mit Diabetes unterstützen soll. Er sprach auch davon, dass nicht jedes Land beim Zugang zu Medikamenten, Sensoren und Technik so weit sei wie Australien, die Vereinigten Staaten oder Deutschland. Für ihn liefen, sagte er, „zwei Spiele gleichzeitig“: das Match, das alle sehen, und das andere, das nur er spürt.
Diese Doppelbelastung trifft ihn ausgerechnet dann, wenn es um den größten Titel seiner Karriere geht. Zverev jagt in Paris weiter seine erste Grand-Slam-Trophäe, nachdem er zuvor dreimal an diesem Ziel gescheitert war. Das Finale bekam zusätzliches Gewicht, weil Carlos Alcaraz vor Roland-Garros verletzt ausfiel und Jannik Sinner sowie Novak Djokovic früh ausschieden. Die Tür zum Titel war damit so weit offen wie selten.
Und doch bleibt genau hier die offene Stelle der Geschichte. Die Insulin-Injektion war sichtbar, ihre Wirkung auf den weiteren Verlauf des Finals ist es nicht. Zverev selbst hat gesagt, dass er ohne ein korrektes Diabetes-Management nicht auf dem Niveau spielen könne, das er von sich erwarte, und dass Vorbereitung meist alles zusammenhalte. Als er im Finale zur Spritze griff, ging es also nicht um ein Nebenthema, sondern um die Voraussetzung dafür, überhaupt weiter um den Titel kämpfen zu können.

