Julian Nagelsmann hat Oliver Baumann nach dessen Degradierung ausdrücklich gelobt und dem Torwart zugleich eine weitere Rolle als Neuer-Ersatz auch während der WM offen gelassen. Der Bundestrainer nannte den 35-Jährigen einen „großen Sportsmann“ und sagte, Baumann habe die Entscheidung professionell angenommen.
Das Thema wird jetzt brisant, weil das DFB-Team im WM-Quartier in Winston-Salem angekommen ist und die Torwartfrage damit kurz vor dem Turnier weiter im Fokus steht. Nagelsmann stellte klar, dass Manuel Neuer das Team als Rückhalt weit führen soll, während Baumann im Hintergrund bereitbleibt, falls wieder etwas passiert.
Für Baumann ist das eine bittere Einordnung nach Wochen, in denen er sich nach Nagelsmanns Worten gut entwickelt hatte. In den letzten beiden WM-Tests gegen Finnland und die USA machte er es „wieder toll“, beim 4:0 gegen Finnland ebenso wie zuvor in der Vorbereitung. Trotzdem rückte er hinter Neuer zurück. Nagelsmann sagte, ihn hätte es nicht gewundert, wenn Baumann „zwei, drei Wochen“ nicht mit ihm gesprochen hätte. Stattdessen sei der Keeper „total über seinen Schatten gesprungen“ und habe die Entscheidung ohne Rückzug angenommen.
Genau darin liegt die eigentliche Spannung dieser Personalie: Baumann wurde degradiert, obwohl er sich in den letzten Tests empfohlen hatte, und bleibt trotzdem als Absicherung gesetzt. Sollte Neuer nach seinem Trainingsauftakt am Montag wieder zwicken oder die Wade erneut Probleme machen, ist Baumann zur Stelle. Nagelsmanns Satz, ein weiterer Einsatz als Neuer-Ersatz könne „auch während der WM passieren“, macht deutlich, wie offen die Torwartplanung trotz des klaren Plans noch ist.
Am Montag soll Neuer nach der Ankunft in Winston-Salem ins Mannschaftstraining einsteigen. Danach soll er gegen Curaçao auch spielen. Für Baumann heißt das: erst Zurückstufung, dann Lob, dann möglicherweise doch wieder ein Einsatz, wenn der Körper des etatmäßigen Stammkeepers nicht mitmacht. Genau so wird diese WM-Frage wohl weiterlaufen.

