Maja Chwalinska hat in Roland Garros das Unmögliche geschafft: Die 24 Jahre alte Polin schlug Diane Shnaider im Halbfinale mit 7:6, 6:4 und steht als erste Spielerin aus der Qualifikation im Endspiel. Für ein Turnier, das ohnehin von überraschend vielen Ausfällen der Favoriten lebt, ist das die Art von Ergebnis, die den Wettbewerb auf einen Schlag verändert.
Warum das heute zählt, liegt auch an der Größenordnung des Sprungs. Chwalinska kam als Nummer 114 der Welt nach Paris und wird das Turnier mindestens als Nummer 21 verlassen. Sie gewann ihr neuntes Match in weniger als drei Wochen, ein Lauf, der mit dem 18. Mai begann, also sechs Tage vor dem offiziellen Start, und der sie von einer wenig bekannten Sandplatzspielerin zur Finalistin gemacht hat.
Der Weg dahin war allerdings nicht nur ein plötzlicher Ausbruch. Chwalinska hatte auf Sand schon vor dem Hauptfeld ein paar Partien gewonnen und kam mit Schwung in die drei Wochen von Paris. Genau darin liegt die eigentliche Härte dieser Geschichte: Ihr Finaleinzug wirkt historisch, weil er aus der Qualifikation kommt, aber er war nicht völlig aus dem Nichts geboren. Sie hatte sich auf dem Belag bereits eingespielt, bevor das Turnier überhaupt richtig begonnen hatte, und nutzte diese Basis dann besser als viele deutlich höher eingestufte Gegnerinnen.
Nach dem Sieg klang Chwalinska selbst noch so, als versuche sie, das Geschehen einzuordnen. Sie sagte, sie wisse nicht, was sie sagen solle, es sei ein Traum und sie verstehe nicht, was da gerade passiere. Dazu meinte sie, drinnen herrsche ein Sturm. Das passt zu einem Turnier, in dem die Setzliste längst zerbrochen ist, aber ihr Lauf bleibt trotzdem ein Sonderfall: nicht nur stark, sondern beispiellos für eine Qualifikantin in Roland Garros.
Am Samstag wartet nun Mirra Andreeva im Finale, nachdem die 19-Jährige Marta Kostyuk mit 6:1, 6:3 in 1 Stunde und 16 Minuten bezwungen hatte. Für Chwalinska ist das die nächste und vielleicht klarste Prüfung ihres Runs. Die Frage ist nicht mehr, ob sie in Paris überrascht hat. Die Frage ist, ob sie ihren ungewöhnlichsten Sieg jetzt gegen eine Gegnerin in Form noch einmal steigern kann.

