Marjane Satrapi, die französisch-iranische Autorin und Zeichnerin hinter Persepolis, ist mit 56 Jahren gestorben. Ihr Umfeld sagte, sie sei an „Trauer“ gestorben.
Gerade jetzt rückt ihr Name wieder in den Mittelpunkt, weil Satrapi für weit mehr stand als für ein bekanntes Buch und einen gefeierten Film. Persepolis machte ihre eigene Kindheit in Teheran und das Exil nach Europa zu einer Geschichte, die weit über Iran hinaus gelesen wurde. Die Nachricht von ihrem Tod traf am 04.06.2026 nicht nur Leser und Filmschaffende, sondern auch Menschen in Frankreich und in der iranischen Kulturwelt, die in ihr eine der klarsten Stimmen gegen Unterdrückung sahen.
Satrapi wurde 1969 in Rasht im Norden Irans geboren, kam 1994 nach Frankreich und erhielt 2006 die französische Staatsangehörigkeit. Ihr Werk brachte diese biografische Bruchlinie immer wieder zurück auf die Bühne: Die 2007 mit Vincent Paronnaud gedrehte Verfilmung von Persepolis gewann in Cannes den Jurypreis und wurde für einen Oscar nominiert. Bei der Preisverleihung widmete Satrapi die Auszeichnung „allen Iranern“ und machte damit deutlich, dass ihre Kunst nie nur persönlich war.
Doch der Tod der Künstlerin lässt sich nicht ohne die jüngsten politischen Jahre lesen. Satrapi war nach dem Tod von Mahsa Amini im Jahr 2022 eine laute Unterstützerin der Proteste, kuratierte 2024 eine englisch erschienene Sammlung grafischer Geschichten über die Women, Life, Freedom-Bewegung und stand im selben Jahr in Paris bei einer Kundgebung zum zweiten Jahrestag von Aminis Tod. Sie sagte damals über die Islamische Republik: „Es ist sehr wichtig, dass dieses Regime verschwindet“, und fügte hinzu: „Ich denke, es ist wichtig, hoffnungsvoll zu bleiben.“
Ein enger Vertrauter sagte, Satrapi sei etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod von Mattias Ripa gestorben, ihres Mannes und der Liebe ihres Lebens. Genau darin liegt die offene Stelle dieser Nachricht: Das Wort „Trauer“ erklärt den Verlust, aber nicht, was ihn medizinisch oder faktisch ausgelöst hat. Emmanuel Macron würdigte sie als große Künstlerin, die ihre iranische Kindheit in eine universelle Erzählung verwandelt habe. Was nun folgt, ist vorerst nur die Lücke, die sie hinterlässt — in der Kunst, im politischen Gespräch über Iran und in einer Öffentlichkeit, die ihre Stimme gerade in den letzten Jahren noch einmal deutlich gehört hat.

