Russmedia übernimmt 77 Prozent an der Tiroler Moser Holding. Die Gründerfamilie Moser steigt damit vollständig aus, die Bank BTV bleibt mit 23 Prozent an der gemeinsamen Holding beteiligt.
Bekannt wurde der Schritt am 3.6.2026. Für Leserinnen und Leser in Tirol und Vorarlberg ist er deshalb wichtig, weil damit zwei der größten Mediengruppen des Landes enger zusammenrücken: Zur Moser Holding gehören die Tiroler Tageszeitung, tt.com und Life Radio Tirol, bei Russmedia die Vorarlberger Nachrichten, Vol.at und Antenne Vorarlberg. Zusammen kommt die russmedia-Gruppe nach eigenen Angaben auf mehr als 1000 Beschäftigte und 200 Millionen Euro Jahresumsatz.
Wilfried Stauder sagte, der Schritt sei bewusst und überlegt getroffen worden. Die Familie sehe für die Moser Holding eine größere Bühne, mehr Investitionskraft und einen Partner auf Augenhöhe, der dieselben Werte teile. Aus Sicht des Unternehmens soll genau daraus die neue Konstruktion ihre Stärke ziehen: regional verwurzelter Qualitätsjournalismus, aber mit einem größeren finanziellen Polster als bisher.
Die Zahlen zeigen, wie groß der Zusammenschluss ist. Russmedia beschäftigt in Österreich rund 500 Mitarbeitende und wies im Vorjahr in Vorarlberg rund 108 Millionen Euro Umsatz aus. Die Moser Holding kam 2025 auf 95 Millionen Euro konsolidierten Konzernumsatz; rechnet man die Beteiligungen RMA und Lifestyle ein, spricht das Haus von rund 173 Millionen Euro Marktumsatz. Auf Gruppenebene beschäftigt die Moser Holding rund 1200 Mitarbeitende.
Genau an diesem Punkt liegt auch die heikle Frage des Deals. Beide Unternehmen betonen, die regionalen Marken sollten erhalten bleiben, und die Tiroler Tageszeitung samt tt.com blieben das unabhängige Leitmedium Tirols. Das klingt nach Kontinuität, obwohl Russmedia nun die Mehrheit an der Moser Holding übernimmt. Wie die gemeinsame Führung, die redaktionelle Zusammenarbeit und die Eigentümerstruktur nach der kartellrechtlichen Genehmigung im Detail aussehen, ist noch offen.
Die Moser Holding ist zudem über Beteiligungen im Bereich Gratiswochenzeitungen und Lifestylemagazine österreichweit tätig. Für die Medienlandschaft im Westen des Landes ist der Vorgang damit mehr als ein reiner Eigentümerwechsel. Er bündelt Reichweite, Kapital und Einfluss in einem Markt, in dem regionale Titel für viele Leserinnen und Leser die wichtigste Informationsquelle bleiben. Bevor daraus ein neuer Medienblock wird, muss aber erst die Kartellbehörde grünes Licht geben.
