Der Druck auf Johan Eliasch ist kurz vor der Wiederwahl des FIS-Präsidenten spürbar gestiegen. Mikaela Shiffrin und Loïc Meillard haben den Chef des Ski-Weltverbands öffentlich kritisiert und ihm vorgeworfen, Zusagen zu Transparenz, Preisgeld und Führung nicht eingelöst zu haben.
Dass die Kritik jetzt so scharf ausfällt, liegt am Kalender und an der Vorgeschichte. Eliasch will sich am 11. Juni erneut zur Wahl stellen, und erst vergangene Woche hatte Marco Odermatt in einem Gespräch mit Blick seinen Rücktritt gefordert. Nun kommen mit Shiffrin und Meillard zwei weitere Namen hinzu, die das Thema aus dem Hintergrund in die offene Auseinandersetzung ziehen.
Meillard sagte, er habe mit Eliasch persönlich überhaupt kein Problem, wünsche sich aber einen neuen Präsidenten, der weniger für sich und mehr für den Skisport tue. Der Schweizer ergänzte, die Vorbereitung der Weltcup-Pisten sei im Schnitt nicht besser geworden. Auch bei der Frage des Geldes zeigte er sich unzufrieden: Preisgeld soll künftig in Euro statt in Franken ausgezahlt werden, was aus seiner Sicht wegen des schwächeren Euro ein Nachteil für die Athleten ist.
Shiffrin machte den Vorwurf noch grundsätzlicher. Viele Athletinnen und Athleten hätten das Gefühl, dass die FIS und ihre derzeitige Führung einen erheblichen Mangel an Transparenz an den Tag gelegt hätten, sagte sie. Zugleich sagte sie, sie habe bislang keine wesentlichen Veränderungen gesehen, die auf die gemachten Versprechen zurückgingen. Das trifft Eliasch an einer heiklen Stelle, denn er hatte im Oktober 2021 erklärt, das Ziel müsse sein, dass der Skirennsport eines Tages so hohe Preisgelder wie Tennis auszahlt.
Später versprach er den Athleten in einer Internet-Schalte während der Saison 2024/25, sie würden für ein Jahr rückwirkend 20 Prozent mehr Preisgeld erhalten. Bis heute ist diese Erhöhung nicht umgesetzt. Gleichzeitig spricht auch die Bilanz des Verbands nicht für Entspannung: Als Eliasch 2021 das Amt übernahm, lagen 130 Millionen Franken auf dem FIS-Konto, inzwischen sind es nur noch knapp 43 Millionen. Shiffrin sagte zudem, der Beitrag der FIS zum Preisgeld werde in den kommenden Jahren wohl sinken.
Für den kommenden Winter muss ein Weltcup-Organisator mindestens 168.000 Euro Preisgeld bereitstellen, die FIS steuert pro Rennen 26.000 Euro bei. Im Vergleich zu den Summen, die im Profisport sonst bewegt werden, wirkt das auf viele Athleten klein. In Paris spielt die French Open derzeit um insgesamt 53 Millionen Euro. Genau dieser Abstand macht die Kritik an Eliasch so brisant: Er hat dem Sport mehr Ehrgeiz versprochen, doch die Athleten sehen vor allem unerfüllte Zusagen und einen Verband, der über Geld redet, aber bisher wenig Vertrauen zurückgewonnen hat.
Ob die wachsende Kritik vor der Abstimmung am 11. Juni in einen ernsthaften Gegenwind für Eliasch mündet, bleibt die offene Frage. Sicher ist nur, dass seine Gegner inzwischen nicht mehr vereinzelt sprechen.

