Die Haller Speckbacher Stadtmusik ist vom 72. Bezirksschützenfest in Hall in Tirol ausgeladen worden, weil bei dem Auftritt männliche Marketender mitmarschieren sollten. Der Schützenbezirk wollte den Festtag am 28. Juni ohne neue Diskussionen über diese Frage durchziehen.
Für Claudia Posch ist das ein klarer Schnitt. Sie sagte, ein Verzicht auf die Marketender komme für die Kapelle nicht infrage; einer von ihnen sei ein fixes Mitglied der Band und solle nicht wegen seines Geschlechts von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Genau daran entzündete sich der Streit: Die Stadtmusik wollte ihren männlichen Marketender behalten, die Organisatoren wollten die Band nach eigener Darstellung gerade deshalb nicht auf dem Fest sehen.
Die Ausladung wurde zuerst von der Plattform MeinBezirk berichtet. Sie trifft einen Streitpunkt, der in Tiroler Traditionsvereinen schon länger schwelt. Bei der Schützenjahrtag der Speckbacher Schützenkompanie im März habe es wegen männlicher Marketender heftige Diskussionen und viel Unverständnis gegeben. Anfang 2026 entschieden die Speckbacher dann, auch männliche Marketender zuzulassen, unter anderem um Mitglieder zu halten und ein Signal der Gleichbehandlung zu setzen.
Kurt Mayr begründete die Absage mit der Sorge, das Fest könnte erneut mit der landesweiten basisdemokratischen Entscheidung verknüpft werden, künftig keine Frauen als Gewehrschützinnen zuzulassen. Die Teilnahme eines männlichen Marketenders habe dabei eine zentrale Rolle gespielt, sagte er; befürchtet worden seien wieder Debatten und öffentliche Kontroversen. Der Schützenbezirk habe einen sachlichen und ruhigen Ablauf gewollt und den Marketender vor möglichen persönlichen Anfeindungen und belastenden Situationen schützen wollen.
Der Bruch liegt darin, dass die Band ihr eigenes Regelwerk nach innen gerade geöffnet hatte, der Bezirk außen aber auf Distanz ging. Nach Angaben aus dem Umfeld hatte die Speckbacher Stadtmusik angeboten, beim Bezirksschützenfest nur mit weiblichen Marketendern aufzutreten; das wurde abgelehnt. Thomas Saurer verwies darauf, dass die Entscheidung über Einladungen grundsätzlich beim jeweiligen Veranstalter liege, und sprach von Verständnis für unterschiedliche Standpunkte sowie respektvollem Verhalten als gemeinsamem Ziel. Ob die Haller Speckbacher Stadtmusik zu einem anderen Anlass eingeladen wird, ist offen.
