Ein Río atmosférico der Kategorie 4 wird zwischen der Nacht vom Dienstag, 2. Juni, und den frühen Stunden des Mittwoch, 3. Juni, im Süden Chiles heftige Regenfälle auslösen. Die intensivsten Niederschläge sollen sich in einem Zeitfenster von etwas mehr als 12 Stunden konzentrieren und am Mittwochnachmittag nachlassen.
Warum das jetzt zählt, liegt am Auftakt des Juni: Ein gereifter Frontensystem brachte bereits am Montag, 1. Juni, Wolken über Chile, und in den kommenden Stunden verstärkt sich über dem Ozean ein Tiefdruckgebiet. Dieses System speist die neue Welle mit feuchter Luft, die beim Eintritt ins Land als extrem starker Río atmosférico der Kategorie 4 ankommt. Die Dirección Meteorológica de Chile hält dazu bereits Warnungen aufrecht.
Am stärksten betroffen sind die Regionen zwischen Biobío und Los Lagos. Dort rechnen die Modelle in den Küstenabschnitten mit 30 bis 50 Millimetern Regen, ebenso in der Vorlandzone und in den Gebirgsabschnitten von La Araucanía bis Los Lagos. In der Morgendämmerung des Mittwoch könnten die Intensitäten zeitweise mehr als 12 Millimeter pro Stunde erreichen, genug, um Abflüsse, Hänge und Verkehrswege in kurzer Zeit zu belasten.
Die warme Luftmasse und die kräftige Advektion hoher Temperaturen aus Argentinien drücken zugleich die Nullgradgrenze nach oben. Das bedeutet: Mit diesem Frontdurchgang wird es in der Cordillera keinen neuen Schnee geben. Während der Süden nasse Stunden vor sich hat, steigen in Antofagasta und Atacama die Temperaturen am Nachmittag auf bis zu 35 Grad.
Genau dieser Kontrast macht den Wetterwechsel brisant. Im Süden fällt der Regen geballt und in kurzer Frist, im Norden setzt sich die Hitze durch. Offen bleibt allerdings, welche Kommunen oder Teilgebiete innerhalb der betroffenen Regionen die höchsten Mengen abbekommen; die Prognose beschreibt breite Küsten-, Vorland- und Gebirgsräume, nicht die einzelnen Punkte auf der Karte.
Nach dem Abflauen der Regenfälle am Mittwochnachmittag bleibt die Lage nicht sofort ruhig. Die zweite Wochenhälfte wird im Zentrum und Norden von Wolken geprägt, ein Höhenfrontensystem zieht dort über das Land und bringt viel Bewölkung, dazu sind in den Tälern der Zentralzone und an der Nordküste Nebel möglich. Zwischen der Nacht vom Samstag, 6. Juni, und den frühen Stunden des Sonntag, 7. Juni, sind außerdem schwache Schauer und Nieselregen denkbar, und in der zweiten Juniwoche könnte sich die Instabilität bis in den Süden der Region Coquimbo ausdehnen.

