Die österreichische Personaldienstleister-Branche hat sich mit einem offenen Brief gegen geplante Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik und eine Reform des AMS-Modells „Zwischenparken“ gestellt. Der Verband Österreichs Personaldienstleister warnt, dass die Einsparungen im Doppelbudget 2027/28 rund 200 Millionen Euro pro Jahr ausmachen und Firmen zusätzliche Kosten aufladen könnten.
Warum das gerade jetzt hochkocht, liegt an den unmittelbar anstehenden Änderungen: Die Regierung will bei einem System sparen, das Betriebe bei kurzfristigen Auftragseinbrüchen seit Jahren nutzen, um Beschäftigte nicht endgültig zu verlieren. Im Mai sank die Arbeitslosigkeit zwar um 2,8 Prozent, gleichzeitig zeigen AMS-Zahlen rund 76.000 Zeitarbeitskräfte in Österreich und weitere 29.000, die arbeitslos gemeldet oder in Schulung sind. Für diese Gruppe und für ihre Arbeitgeber wird die Frage nach den künftigen AMS-Regeln sofort spürbar.
Das umstrittene „Zwischenparken“ erlaubt Unternehmen, Beschäftigte bei einem kurzfristigen Rückgang der Aufträge vorübergehend abzumelden und später wieder einzustellen. In dieser Phase erhalten die Betroffenen Arbeitslosengeld oder nehmen an Qualifizierungsmaßnahmen teil. Nach Angaben des WIFO kostet das Modell den Staat rund 700 Millionen Euro im Jahr. Die Regierung plant, die Unternehmen stärker an diesen Kosten zu beteiligen. Zusätzlich steht eine vierwöchige Wartefrist bei einvernehmlichen Trennungen im Raum: Arbeitgeber würden zwei Wochen zahlen, zwei Wochen lang gäbe es für die Beschäftigten keine Leistung.
Genau daran entzündet sich der Widerstand. Der ÖPDL sagt, die Änderungen machten Beschäftigung teurer und zögen neue bürokratische Hürden nach sich. Besonders getroffen wären Branchen mit saisonalen oder konjunkturellen Schwankungen, darunter Bau, Tourismus, Industrie und der Pflegesektor. Karin Hamminger sagte ausdrücklich, Zeitarbeit sei in der Pflege längst kein Randphänomen mehr, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der Versorgung. Die Branche hält dagegen, dass das bestehende System Jobs sichere und Arbeitslosigkeit senke — und dass die geplanten Einschnitte ausgerechnet dort ansetzen, wo Betriebe am flexibelsten auf Nachfrage reagieren müssen.
Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 100 Unternehmen und deckt etwa 75 Prozent des Marktes ab, darunter große Anbieter wie Hofmann, Manpower, Trenkwalder, Adecco und Randstad. Roland Fürst brachte die Linie auf den Punkt: Wer Beschäftigung sichern, Fachkräfte halten und Arbeitslosigkeit reduzieren wolle, dürfe funktionierende Instrumente nicht abschaffen. Nun liegt der Ball bei Regierung und Sozialpartnern. Entscheidend wird, ob sie die Reform so umsetzen, dass sie tatsächlich spart, ohne ausgerechnet jene Betriebe zu verteuern, die kurzfristige Lücken bisher mit AMS-Zwischenparken überbrückt haben.
