Österreichs Nationalteam hat am Donnerstag im ÖFB-Campus in der Wiener Seestadt seine erste öffentliche Einheit vor dem letzten WM-Test gegen Tunesien absolviert. Mehr als 1000 Fans kamen, viele davon Kinder, und machten aus einem kurzen Training mit Aufwärmen und kleinen Spielformen ein öffentliches Ereignis.
Warum das an diesem Tag so viel Aufmerksamkeit bekam, liegt auf der Hand: Für viele Anhänger war es die letzte Chance, die Mannschaft noch vor dem Abflug in die USA aus der Nähe zu sehen. Am Montag spielt Österreich um 20.45 Uhr gegen Tunesien, wenige Tage später reist das ÖFB-Team nach Santa Barbara in Kalifornien weiter, wo die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft fortgesetzt wird.
Der Andrang war groß genug, um selbst die eigentliche Einheit in den Hintergrund zu schieben. Nach rund 20 Minuten Autogrammstunde, die ursprünglich angesetzt waren, nahmen sich die Spieler länger Zeit. Sie unterschrieben Trikots, Trinkflaschen, weiße und schwarze Fußbälle, MacBooks, Poster, Rucksäcke, Fahnen, Kappen, Kartons und Handyhüllen. Für einen Vormittag, der sportlich eher schlicht war, entstand so eine Szenerie, die weit mehr nach Abschied vor dem Turnier wirkte als nach gewöhnlichem Training.
Genau darin lag aber auch die Einschränkung. Das Training selbst war kurz und einfach gehalten, und sein praktischer Wert vor dem wichtigsten Test vor der Abreise ließ sich durchaus hinterfragen. Trotzdem gab der Zuspruch der Fans dem Termin sein Gewicht. Die Nähe zum Team war offenbar wichtiger als der Inhalt auf dem Platz, und die offen eingeräumte Gelegenheit, die Spieler vor dem WM-Start noch einmal live zu erleben, traf sichtbar einen Nerv.
Auch personell blieb der Termin nicht ohne Fragezeichen. Florian Grillitsch und Patrick Wimmer fehlten am Donnerstag, was die Aufmerksamkeit auf ihre Verfügbarkeit für Tunesien lenkte. Grillitsch war am Freitag zumindest für den ersten Teil der Einheit wieder dabei. Christoph Baumgartner beschrieb die Stimmung danach mit „ganz vielen lachenden Gesichtern“ bei Spielern, Kindern und Fans. Es war der Satz, der den Vormittag am besten zusammenfasste: freundlich, publikumsnah und zugleich von der Unsicherheit begleitet, wie belastbar die Mannschaft tatsächlich schon ist.
Für den ÖFB ist damit klar, worum es jetzt geht: der letzte Test gegen Tunesien, dann der Flug nach Santa Barbara und wenig später der WM-Auftakt gegen Jordanien. Die Wiener Einheit zeigte, wie sehr das Team schon im Blick der Öffentlichkeit steht, bevor in den USA der eigentliche Turniermodus beginnt.

