Gap Inc. hat am 28. Mai seine Zahlen für das erste Quartal bis zum 2. Mai 2026 vorgelegt und den Ausblick für den Gewinn je Aktie im Gesamtjahr angehoben. Der Konzern meldete ein Plus von 2 Prozent bei den vergleichbaren Umsätzen und damit das neunte Quartal in Folge mit positiven Vergleichswerten.
Für Richard Dickson war vor allem die Kernmarke ein Ausreißer nach oben. Gap habe ein zweistelliges vergleichbares Umsatzplus geliefert und damit eines der stärksten Quartale der Marke seit mehr als zwei Jahrzehnten erreicht, sagte er. Zugleich gab der Konzern 464 Millionen Dollar über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionäre zurück. Das ist der Punkt, an dem sich die Börse heute festhaken dürfte: Ein besseres Quartal, mehr Kapital an die Anteilseigner und ein angehobener Ausblick an einem einzigen Berichtstag.
Die neuen Zahlen sind auch deshalb wichtig, weil sie den laufenden Erholungstrend bei Gap Inc. bestätigen. Das Unternehmen ist der größte Spezialbekleidungsanbieter in den USA und bündelt mit Old Navy, Gap, Banana Republic und Athleta mehrere Marken unter einem Dach. Der heutige Bericht liefert damit nicht nur einen Blick auf ein einziges Quartal, sondern auf die Frage, ob die Neupositionierung im Portfolio weiter trägt.
Ganz glatt verlief das Bild trotzdem nicht. Dickson sagte, die Leistung über die übrigen Marken hinweg sei unterschiedlich gewesen, geprägt von verschiedenen Stadien der Transformation und markenspezifischen Dynamiken. Die starke Entwicklung von Gap stand also nicht für den ganzen Konzern. Old Navy, Athleta und Banana Republic wurden in der Mitteilung nicht mit einem einheitlichen Erfolg gleichgesetzt, sondern blieben Teil eines gemischten Portfolios, das noch nicht überall denselben Rhythmus gefunden hat.
Auch die höhere Jahresprognose ist nicht einfach Ausdruck von Optimismus. Gap erklärte, der neue Ausblick berücksichtige geänderte Zollannahmen und mögliche Unsicherheiten im Geschäftsverlauf für den Rest des Jahres. Das Unternehmen rechnet nun für Waren, die nach dem 24. Februar 2026 und bis zum 24. Juli 2026 eingehen, mit einem Zollsatz von 10 Prozent nach Section 122 und geht für den restlichen Jahresverlauf wieder von den zuvor angesetzten IEEPA-Raten aus. Nach Darstellung des Unternehmens dürfte die Änderung rund 80 Millionen Dollar an Nettoentlastung für Bruttogewinn und operatives Ergebnis bringen, was etwa 50 Basispunkte bei Bruttomarge und operativer Marge im Geschäftsjahr 2026 entspricht.
Der Vorteil soll vor allem im zweiten und dritten Fiskalquartal ankommen, weil sich die Warenströme dort konzentrieren. Doch Gap legt den gesamten geschätzten Effekt zunächst zurück, um sich für den Rest des Jahres Spielraum zu sichern. Rund die Hälfte soll mögliche höhere Treibstoffkosten abfedern, der Rest bleibt verfügbar, falls sich der Preis- und Wettbewerbsdruck verschärft. Die Botschaft ist damit zweigeteilt: Das Unternehmen sieht mehr Ertrag in der Prognose, behandelt diesen Puffer aber zugleich als Schutzschild.
Für das Gesamtjahr erwartet Gap nun einen verwässerten Gewinn je Aktie von etwa 2,83 bis 2,93 Dollar auf berichteter Basis, einschließlich nicht wiederkehrender Posten. Mehr sagte der Konzern zu den nächsten Schritten nicht. Genau darin liegt die offene Stelle nach dem Bericht: Ob die starke Entwicklung der Kernmarke und die höhere Prognose den Rest des Portfolios mitziehen können, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

