Chet Holmgren hat im Westfinale offensiv deutlich nachgelassen. Nach 18,6 Punkten pro Spiel in den ersten beiden Runden kam er gegen Victor Wembanyamas Team nur noch auf 10,7 Punkte im Schnitt, ein klarer Absturz für einen Spieler, der zuvor fast alles am Korb verwertet hatte.
Genau deshalb interessiert die Serie jetzt: Die Thunder hatten die Phoenix Suns und die Lakers in den ersten beiden Runden gesweept, und Holmgren war dabei mit 37 Treffern bei 38 Versuchen im Restricted Area kaum zu stoppen. Im Westfinale sah das anders aus, und die veränderte Rolle des jungen Big Men wurde zu einem der auffälligsten Punkte in einer Serie, die plötzlich viel enger auf seine Entscheidungen in der Zone blickte.
Holmgren selbst machte keinen Hehl daraus, dass der Gegner eine andere Aufgabe war. Er sagte, das Team sei in Personal und Spielweise einzigartig und fügte hinzu, dass es wohl kein anderes Team mit derselben Art von Stil gebe. Gemeint war vor allem die Mischung um Wembanyama, der mit 2,24 Metern und als einstimmig gewählter Defensive Player of the Year ein Schutzschild am Ring ist, gegen den sich Abschlüsse anders anfühlen als gegen fast jeden anderen Verteidiger.
Genau dort lag auch der Bruch in Holmgrens Serie. Er wirkte beim Abschluss in der Zone zögerlicher als noch in den ersten beiden Runden, kam seltener zum Wurf und war im Angriff nicht so präsent wie zuvor. Trotzdem stellte Thunder-Coach Mark Daigneault ihn als großen Faktor dar, auch in Bereichen, die nicht im Boxscore stehen. Er sagte, Oklahoma City sei mit Holmgren auf dem Feld kaum schlechter gewesen, und räumte ein, dass er selbst einen Teil der Verantwortung für die wenigen Wurfversuche übernehmen könne. Aus seiner Sicht habe Holmgren in mehreren Teilen des Spiels auf hohem Niveau agiert, auch wenn die Zahlen das nur teilweise zeigen.
Der Widerspruch ist der Kern dieser Serie: Holmgren verlor im Westfinale an offensiver Durchschlagskraft, und doch bleibt er für den Thunder ein Spieler, dessen Wirkung sich nicht allein in Punkten messen lässt. Offen ist vor allem, ob Oklahoma City ihn gegen solche ungewöhnlich gebauten Gegner künftig wieder näher an den Ring und näher an seine frühere Trefferquote bringen kann.

