Schottland hat Billy Gilmour kurz vor der Weltmeisterschaft verloren. Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler des SSC Napoli zog sich am Samstag beim 4:1-Testspielsieg gegen Curacao eine Knieverletzung zu und wird nach Angaben des schottischen Verbands nicht an der Endrunde teilnehmen.
Der Zeitpunkt macht den Ausfall besonders schwer. Schottlands Mannschaft soll am Sonntag in die Vereinigten Staaten fliegen, und Gilmours Verletzung kam im letzten Test vor der Abreise. Der Spieler hatte in Hampden begonnen, war aber nach 42 Minuten wieder draußen. Später am Tag wollte er eigentlich noch zu einer Familienhochzeit gehen.
Steve Clarke musste direkt nach dem Spiel einräumen, dass ihn der Zustand seines Mittelfeldspielers beunruhigte. Er sei „100% worried“ gewesen, sagte der Nationaltrainer. „One request was obviously no injuries“, erklärte Clarke zudem. Als Gilmour in einem Zweikampf verletzt wurde und selbst entschied, vom Platz zu gehen, sei ihm klar gewesen, dass etwas nicht stimmte.
Für Schottland ist der Verlust mehr als nur ein personeller Rückschlag. Das Team reist mit drei Gruppenspielen gegen Haiti, Marokko und Brasilien in die USA, und Gilmour war einer der Spieler, die im Zentrum für Ruhe und Ballkontrolle sorgen sollten. Mit seinem Ausfall rückt nun sofort die Frage nach einem Ersatz in den Vordergrund, auch wenn sie noch nicht beantwortet ist.
Genau dort liegt der Druck auf Clarke. Der Trainer bestätigte, dass Tyler Fletcher eine mögliche Option sei, nachdem der 19 Jahre alte Manchester-United-Spieler zur Halbzeit sein Schottland-Debüt gefeiert hatte. Fletcher gehört zu vier jungen Spielern, die in dieser Woche mit der Mannschaft trainierten. Clarke sagte sogar, er habe kurz daran gedacht, ihn einzusetzen, als Gilmour runter musste, sich dann aber erst ansehen wollen, wie das Spiel weiterläuft.
Fletcher bringt bereits etwas Erfahrung aus England mit. Im Februar gab er sein Senior-Debüt für Manchester United und kam in dieser Saison zum zweiten Mal für den Klub zum Einsatz, als er im letzten Saisonspiel gegen Brighton eingewechselt wurde. Der Sohn des früheren schottischen Kapitäns Darren Fletcher hat mit Jack einen Zwillingsbruder, der im Nachwuchs für England spielt. Neben ihm stehen Connor Barron, Andy Irving und Lennon Miller als mögliche Stand-by-Lösungen für die drei WM-Spiele bereit, doch sie gehörten nicht zum ursprünglichen Turnierkader.
Damit ist Schottland vor der Abreise in die USA gezwungen, die eigene WM-Planung neu zu ordnen. Clarke sagte, Fletcher sei „a little bit closer“ als die anderen drei, kündigte aber an, mit seinem Stab die beste Lösung zu besprechen. Ob der Verband Gilmour noch vor Turnierbeginn ersetzt, ist offen. Sicher ist nur, dass ein 24 Jahre alter Stammkraftverlust in der letzten Generalprobe den Weg nach Amerika deutlich komplizierter gemacht hat. Mehr dazu: Football Today: Billy Gilmour knee injury clouds Scotland's World Cup trip.

