Lisa Redlinger hat im richtigen Moment geliefert. Die 23-Jährige aus Vorarlberg lief beim Vienna City Marathon fünf Kilometer in 15:32 Minuten und stellte damit einen neuen österreichischen Straßenrekord auf.
Jetzt richtet sich der Blick auf den Frauenlauf Wien. Am Sonntag geht Redlinger im Wiener Prater an den Start, gemeinsam mit 31.056 weiteren Teilnehmerinnen. Für ein Rennen dieser Größe ist ihr Name ein echter Zugpferd-Ton geworden: die schnellste Österreicherin über fünf Kilometer auf der Straße steht plötzlich mitten in einem Massenstart, der weit über den Leistungssport hinausreicht.
Der Lauf in Wien bekam seine besondere Wucht erst mit der Zahl dahinter. Redlinger verbesserte die bisherige Bestmarke von Carina Reicht um sechs Sekunden und blieb zugleich 20 Sekunden unter dem Limit für die Straßenlauf-Weltmeisterschaften im September in Kopenhagen. Das macht ihre 15:32 Minuten nicht nur zu einem nationalen Rekord, sondern auch zu einer Leistung mit internationalem Maßstab.
Ganz gerade ist ihr Weg dorthin nicht gewesen. Vor einigen Jahren wurde Redlinger von einer Verletzungsserie mit Stressfrakturen ausgebremst; immer wieder war das rechte Bein betroffen, dazu kamen Probleme an Mittelfuß, Knie, Hüfte und Schienbein. Nach jeder Pause stand für sechs Wochen kein Laufen auf dem Plan, stattdessen Radfahren und Schwimmen. Gerade deshalb wirkt ihr Aufstieg weniger wie die Geschichte eines Naturtalents als wie die eines ungewöhnlich hartnäckigen Comebacks.
Und doch wehrt sie die große Vorbild-Rolle selbst ein Stück weit ab. Redlinger sagt, sie sei wegen ihrer sportlichen Erfolge nicht unbedingt ein Vorbild. Der Satz passt zu ihrem Alltag: Sie arbeitet Vollzeit in ihrer eigenen Firma Redlinger Digital, die sie 2023 gemeinsam mit ihrem Freund Andreas Kleindienst gegründet hat. Dort geht es um Webdesign, SEO/GEO und Automatisierung, während sie daneben etwa 14 Stunden pro Woche trainiert und auf 70 bis 80 Laufkilometer kommt.
Auch das Studium war bei ihr schon international geprägt. Vor dem aktuellen Wochenende absolvierte sie zwei Semester Webdesign in San Francisco und ein Semester Digitalisierung in Miami. Diese Mischung aus Beruf, Ausbildung und Leistungssport erklärt, warum Redlinger im Rennkalender auffällt: Sie läuft nicht aus einem Vollprofi-System heraus, sondern neben einer Vollzeitstelle und mit Trainingsfenstern, die oft zu Mittag oder am späten Nachmittag liegen.
Für den Frauenlauf Wien bleibt damit vor allem eine Frage offen, die erst der Sonntag beantworten kann. Redlinger kommt mit einem österreichischen Rekord nach Wien, aber der Massenstart im Prater ist kein Einzelzeitfahren. Ob sie die neue Bestmarke dort bestätigen kann, wird zeigen, ob der Lauf in Wien für sie nur ein Zwischenstopp war oder der nächste Schritt in einer Saison, die sich gerade erst öffnet.

