Der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Internationale Energieagentur haben gestern in Washington vor einem Treibstoffmangel im Sommer gewarnt. Sie sagten, die weltweiten Ölvorräte würden in beispiellosem Tempo abgebaut, um den massiven Ausfall von Lieferungen durch die Straße von Hormus auszugleichen.
Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ölströme über die Meerenge bereits schwer gestört sind. Nach Angaben der Organisationen drohen ohne eine schnelle Normalisierung der Transporte Risiken für die Treibstoffsicherheit und für die gesamte Wirtschaft, weil die Straße von Hormus normalerweise einen großen Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels abwickelt.
Die Lage ist auch politisch aufgeladen. Die USA verhandeln derzeit mit dem Iran über ein vorläufiges Abkommen und sagen, es sehe eine gebührenfreie Öffnung der Straße von Hormus für die Schifffahrt vor. Die iranische Nachrichtenagentur Fars bestreitet jedoch, dass eine solche Klausel enthalten sei.
Seit Kriegsbeginn Ende Februar blockiert der Iran die Wasserstraße weitgehend. Nach eigenen Angaben erhebt Teheran seit Ende April zudem eine Gebühr, wenn Tanker die Straße von Hormus sicher durchfahren wollen. Damit bleibt offen, ob sich die Öltransporte rasch normalisieren oder ob die Kürzungen bei den Lieferungen in den Sommer hineinreichen.
Für Verbraucher und Industrie hängt daran mehr als nur ein weiterer Preisschub. Solange die Engstelle nicht wieder offen und verlässlich befahrbar ist, bleibt der Treibstoffmangel nicht nur eine Gefahr für Tankstellen und Raffinerien, sondern für eine Weltwirtschaft, die auf stabile Lieferketten angewiesen ist.
