Alfons Haider hat in einem Podcast scharf gegen politische Korrektheit und Gender-Terminologie ausgeteilt. Im MINDGAMES-Podcast sagte der österreichische Entertainer, „Political Correctness“ gehe ihm „auch furchtbar auf die Nerven“.
Gerade weil Haider seit mehr als 50 Jahren auf den großen Bühnen des Landes steht, bekommen solche Sätze Gewicht. Der 67-Jährige ist derzeit in den Seefestspielen Mörbisch in „Ein Käfig voller Narren“ zu sehen und spielt dort die Drag-Rolle des Albin, auch Zaza genannt. Seine Wortwahl trifft damit mitten in eine Debatte, die in Österreich weiter polarisiert und in der Sprache selbst zum Streitpunkt geworden ist.
Haider störte sich vor allem an der Menge der Begriffe. Es gebe „zig Gender-Begriffe“, sagte er, und man überlaste damit „die Normalbevölkerung“. Menschen so speziell zu kategorisieren, sei „furchtbar“, ergänzte er, und er glaube nicht, dass das hilfreich sei. Zugleich machte er deutlich, dass er Frauen nach wie vor für schlechter gestellt hält, weil sie noch immer nicht dasselbe verdienen wie Männer. Aus seiner Sicht liegt das eigentliche Thema also bei Gleichstellung im Alltag, nicht bei immer neuen Sprachregeln.
Genau darin liegt der Widerspruch seiner Aussage. Haider erinnerte daran, dass er selbst für Gleichheit und Freiheit von Menschen gekämpft habe, stellt sich nun aber gegen das, was er als überzogene Sprachdebatte beschreibt. Das ist bemerkenswert, weil er 1999 als erster Mensch in einer österreichischen Hauptnachrichtensendung offen über seine Homosexualität sprach und dafür einen „Aufschrei“ auslöste. Kurz danach verlor er nach eigenen Worten schlagartig einen Werbevertrag; eine Firma habe ihn 30 Jahre später sogar noch einmal gefragt, ob er für Schwulen-Werbung auftreten wolle.
Haider schilderte auch, wie hart die Reaktionen damals ausfielen. Menschen hätten ihn auf der Straße angegriffen, bemalte Hauswände seien „gang und gäbe“ gewesen. Auch seine Familie habe mit dem öffentlichen Druck gerungen: Seine Mutter sei zu einer Psychotherapeutin gegangen, um zu verstehen, warum er so sei, und nach 40 Sitzungen habe sie es geschafft. Vor diesem Hintergrund wirkt seine heutige Kritik an der Gender-Sprache weniger wie eine Randbemerkung als wie eine neue Positionierung eines Mannes, der öffentlich schon einmal für Sichtbarkeit bezahlt hat. Offen bleibt nur, wie stark die Aussagen aus dem Podcast in den kommenden Tagen auf seine laufenden Auftritte zurückschlagen werden.
