Der Grand Prix von Katalonien in Barcelona endete mit einem Sieger, der im Gewirr aus drei Starts und sechs Strafen fast unterging: Fabio Di Giannantonio gewann das Rennen, nachdem die Ergebnisliste nachträglich noch einmal kräftig korrigiert worden war. Fünf der sechs Strafen hingen am Reifendruck.
Genau dieses Wochenende beschäftigt jetzt Stefan Bradl. Der langjährige MotoGP-Tester und Experte sagte, Álex Márquez und Johann Zarco seien nach ihren Stürzen zwar per Ambulanz abtransportiert worden, beide aber bei Bewusstsein und nicht in unmittelbarer Lebensgefahr gewesen. Die Strecke sei in gutem Zustand gewesen, betonte Bradl. Dass Fahrer nach einem Sturz wieder aufstehen und weiterfahren, gehöre nun einmal zur DNA eines MotoGP-Piloten.
Für ihn ist deshalb auch die spätere Moralkeule fehl am Platz. Im Nachhinein zu sagen, die Fahrer hätten nicht wieder aufs Motorrad steigen dürfen, sei sinnlos, sagte Bradl. Genau an dieser Stelle liegt der Ärger: Wenn ein Rennen mehrfach neu gestartet wird und danach ausgerechnet in solchen Situationen Reifendruckverstöße den Ausschlag geben, sei diese Regel „in solchen Situationen kompletter Schwachsinn“. Der Konflikt zwischen Sicherheitsdenken, Rennverlauf und Regelwerk trat in Barcelona besonders scharf zutage.
Di Giannantonio profitierte am Ende von dem Durcheinander und holte den Sieg. Für ihn war es der nächste starke Auftritt in einer bislang konstanten Saison: Schon beim Auftakt in Thailand war er Sechster geworden und war seither nach Bradls Einschätzung immer in den Top vier unterwegs. Der Deutsche sagte dazu, Di Giannantonio habe erkannt, dass Konstanz der Schlüssel sei, um vorne mitzumischen. Das passte zu einem Rennen, in dem am Ende nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Standfestigkeit und Überblick zählten.
Bradl ordnete Barcelona zugleich als Stimmungsbild der gesamten Königsklasse ein. Ducati sei nicht mehr so dominant wie früher, sagte er, zugleich habe Aprilia an diesem Wochenende einen schweren Dämpfer bekommen. Barcelona gelte für Aprilia eigentlich als starke Strecke, weil dort wenig Grip herrsche. Gerade deshalb wiege der Rückschlag besonders schwer. Auch Jorge Martín habe in Le Mans stark ausgesehen, sagte Bradl, doch in Barcelona sei die Härte des Wochenendes nicht zu übersehen gewesen.
Offen bleibt nach diesem Grand Prix vor allem, wie die Rennleitung ihre Entscheidungen in einem derart zerhackten Ablauf erklärt. Drei Starts, Verletzte, Ambulanzfahrten und am Ende sechs Strafen mit nachträglicher Korrektur machen das Barcelona-Rennen zu einem Fall, an dem sich die Diskussion über Regelauslegung und Rennleitung noch länger festbeißen dürfte. In einer WM mit noch 16 Stationen wird genau diese Frage nicht verschwinden.

