Die Toten Hosen haben heute ihr letztes Album „Trink aus, wir müssen gehen!“ veröffentlicht. Nach 44 Dienstjahren soll es das letzte Studioalbum der Düsseldorfer Band sein, und Frontmann Campino macht keinen Hehl daraus, dass damit eine Ära endet.
Wer nach dem Album sucht, sucht heute nach einem Schlusspunkt. Die Band wurde 1982 in Düsseldorf gegründet und zählt seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Rockbands im deutschsprachigen Raum. Dass gerade jetzt so viele hinschauen, liegt nicht nur an der Zahl 44, sondern daran, dass hier ein Name Abschied nimmt, der für mehrere Generationen Teil der deutschen Rockgeschichte geworden ist.
Campino sagte im aktuellen FALTER-Interview, die reguläre Spielzeit für die Hosen sei vorbei. Jetzt folge nur noch die Nachspielzeit. Für eine Band, die sich mit ihren großen Refrains und ihrer langen Präsenz fest in der Popkultur verankert hat, ist das kein Nebensatz, sondern die offizielle Ansage, dass die Studioarbeit abgeschlossen ist.
Genau darin liegt auch die Reibung, die die Hosen seit Jahren begleitet. Unter Musikliebhabern haben sie einen schweren Stand, gelten vielen als massenkompatibel und prollig. Der Autor, der heute schreibt, dass ihn die neue Platte richtiggehend rührt, hat Campino früher selbst eine Nervensäge genannt. Sein erstes Interview mit ihm Anfang 2002 ließ diese Ablehnung bröckeln. Von da an verteidigte er die Band seit einem Vierteljahrhundert, und zwar gerade weil die Hosen von Beginn an über all ihre Konzerte Buch führten und der Kontakt nie bei einer bloßen Pose stehen blieb.
Auch der persönliche Ton gehört zu dieser Veröffentlichung. Der Autor berichtet, dass er bei jedem seiner Interviews zwei Exemplare der gedruckten Zeitung ins Hosen-Hauptquartier nach Düsseldorf schickte. Das ist mehr als Folklore aus dem Musikbetrieb. Es zeigt, wie tief diese Band in einem Teil ihres Publikums verankert ist, selbst dort, wo sie lange als zu laut, zu einfach oder zu beliebt abgetan wurde. Mit diesem letzten Album endet nun nicht nur eine Diskografie, sondern die reguläre Spielzeit einer der langlebigsten deutschen Rockkarrieren. Was auf der Platte selbst alles zu hören ist, bleibt in dem Ausschnitt offen; fest steht nur, dass die Nachspielzeit begonnen hat.

