Mané Garrincha machte das Halbfinale der Weltmeisterschaft 1962 in Chile zu seinem Spiel. Beim 4:2 gegen den Gastgeber erzielte er zwei Tore und bereitete eines vor, und Brasilien stand damit im Finale.
Dass dieser Abend heute wieder gesucht wird, hat mit einer Figur zu tun, die über ein einzelnes Turnier hinausging. Garrincha, geboren am 28. Oktober 1933 in Magé im Bundesstaat Río de Janeiro, war von schweren körperlichen Einschränkungen geprägt: Beide Füße zeigten nach innen, das rechte Bein war sechs Zentimeter kürzer als das linke, dazu kam eine Poliomyelitis in der Kindheit. Dennoch war er schon 1958 in Schweden Teil der brasilianischen Mannschaft, die in sechs Spielen 16 Tore erzielte und zwischen dem Halbfinale gegen Frankreich und dem Endspiel gegen Schweden zehn davon nachlegte.
1962 rückte er nach vorne, als Pelé sich im zweiten Spiel gegen Czechoslovakia verletzte. Garrincha lieferte beim 2:1 gegen Spain die Vorlage für Amarildo, traf im Viertelfinale gegen England zweimal und setzte gegen Chile im Halbfinale den nächsten Schlag. Die chilenische Zeitung El Mercurio brachte die Stimmung nach diesem Auftritt mit der Schlagzeile auf den Punkt: „Garrincha, ¿de qué planeta vienes?“ Für den Gastgeber bedeutete der Abend das Aus, für Brasilien den letzten Schritt vor dem Titelspiel.
Doch die Geschichte dieses Turniers hat eine weitere Kante. Garrincha war im Halbfinale eigentlich vom Platz gestellt worden, trotzdem verschwand seine Sperre aus dem offiziellen Spielbericht, damit er im Finale gegen Czechoslovakia auflaufen konnte. Dort lief er mit Fieber von 38 Grad auf, und Brasilien gewann 3:1 durch Treffer von Amarildo, José Ely de Miranda „Zito“ und Vavá. Wie die Sperre genau gestrichen wurde, bleibt ungeklärt, aber das Ergebnis nicht: Garrincha holte sich seinen zweiten Weltmeistertitel und machte das Chile-Halbfinale zu dem Spiel, an das man sich erinnert, wenn sein Name fällt.

