Wim Wenders soll am Abend in Berlin die Ehren-Lola des Deutschen Filmpreises erhalten. Der 80-Jährige wird für „herausragende Verdienste um den deutschen Film“ ausgezeichnet, während in der Rückschau auf sein Werk erneut eine Szene aus „Falsche Bewegung“ im Mittelpunkt steht.
Genau deshalb wird sein Name heute wieder gesucht: Weil die Ehrung in Berlin nicht nur ein Lebenswerk würdigt, sondern auch eine alte Wunde offenlegt. Beim Deutschen Filmpreis werden 17 Kategorien vergeben, doch bei Wenders hängt an der Auszeichnung die Frage, wie ein gefeierter Regisseur mit einer Szene umgeht, die seit Jahren nicht aus der Debatte verschwindet.
„Falsche Bewegung“ kam 1975 ins Kino. Darin liegt Nastassja Kinski fast vollständig nackt in einem Bett mit einem viel älteren Mann, obwohl sie bei den Aufnahmen erst 13 Jahre alt war. Kinski sagte später, sie habe schon damals gemerkt, dass das nicht in Ordnung war, und sie versucht seit Jahren, Wenders dazu zu bewegen, die Szene aus dem Film zu entfernen.
Wenders hat das abgelehnt. Zwei Jahre zuvor sagte er der „Süddeutschen Zeitung“, er würde den Film heute anders machen; sein Blick auf die Welt habe sich verändert, und andere Verantwortlichkeiten würden inzwischen anerkannt. Gleichzeitig hielt er daran fest, dass ihm die Szene in den 1970er-Jahren „künstlerisch durchaus zwingend“ erschienen sei.
Der Widerspruch bleibt damit sichtbar. „Falsche Bewegung“ war damals für Zuschauer ab 12 freigegeben und als „besonders wertvoll“ eingestuft worden, später gewann der Film mehrere Preise. Dass dieselbe Arbeit heute parallel zu einer Ehrung für Wenders wieder aufgerufen wird, zeigt, wie lange solche Bilder einem gefeierten Namen folgen können.
Hinzu kommt, dass nachträgliche Eingriffe in Filme längst möglich sind; George Lucas hat seine „Star Wars“-Filme nach der Erstveröffentlichung immer wieder verändert. Wenders hat das bei „Falsche Bewegung“ bisher nicht getan. Bei der Ehren-Lola wird er nun als einer der prägenden deutschen Regisseure neben Werner Herzog und Rainer Werner Fassbinder ausgezeichnet, doch die ungeklärte Szene aus seinem frühen Werk reist mit nach Berlin und bleibt der schwierigste Teil dieser Würdigung.

