YPF hat den Verkauf von 70 Prozent an Metrogas in die Schlussphase gebracht und die Zahl der Bieter von 13 auf fünf reduziert. Für Neuss Capital ist das mehr als ein Etappensieg: Die Gruppe steht in der Endrunde eines Deals, der heute vor allem wegen der Herkunft ihres Geldes und einer laufenden Untersuchung auf den Cayman Islands Aufmerksamkeit zieht.
Der Name Metrogas taucht deshalb jetzt auf, weil Citigroup diese Woche die fünf Finalisten auswählte. Neben Neuss sind Andina, das Anlagevehikel von José Luis Manzano, MSU, die von Alberto Pierri geführte Gruppe und ein strategisches Bündnis unter Führung von Central Puerto im Rennen. Damit ist der Kreis eng genug, dass jeder der verbliebenen Bewerber plötzlich politisches und regulatorisches Gewicht bekommt.
Gerade bei Neuss wird die Sache heikel. Die Gruppe hat zwar einen politischen Vorteil über ihre Verbindungen zu Santiago Caputo, doch derselbe Umstand kann in einer Transaktion mit einem bei der US-Börsenaufsicht SEC registrierten Unternehmen zum Problem werden. Ein exklusive Bericht beschreibt, dass viel der Finanzierung aus „fondos de origen reservado“ stammt, dass die internationale Struktur über Perseo Holding Group LTD auf den Britischen Jungferninseln läuft und dass die Gruppe in den Cayman Islands untersucht wird.
Der Bericht geht noch weiter und zeichnet eine verschachtelte Finanzarchitektur nach. Für die Mobilisierung von Kapital und die Strukturierung der Finanzierung seien in den USA Parallelgesellschaften nach Delaware- und Wyoming-Recht geschaffen worden; die Delaware-Einheit habe Kredite unklarer Herkunft erhalten und sie als unwiderrufliche Kapitaleinlagen an die lokale Tochter weitergereicht. Genau diese Konstruktion dürfte die Frage aufwerfen, ob der Bieter mit den Anforderungen eines Verkäufers vereinbar ist, der an die Regeln des US-Marktes gebunden bleibt.
Der Rest des Feldes wirkt politisch fast vertrauter. MSU wuchs mit Rückhalt unter der Regierung von Mauricio Macri, Manzanos Andina bringt einen der bekanntesten Namen des argentinischen Wirtschafts- und Machtgefüges in die Runde, und Central Puerto ist als wichtigster Stromerzeuger des Landes der einzige Finalist, der in der Darstellung nicht auf dieselbe politische Spur gesetzt wird. Das verstärkt den Eindruck, dass vier der fünf Gruppen klare politische Wurzeln oder Verbindungen mitbringen.
Für den Moment liegt die Entscheidung bei Citigroup und YPF, die den endgültigen Käufer bestimmen müssen. Ein Datum dafür ist nicht genannt. Offen bleibt damit vor allem, ob die Finanzierung von Neuss und die Cayman-Ermittlung den Bieter am Ende ausbremsen oder ob der politische Rückhalt schwerer wiegt als die Fragen, die jetzt erst öffentlich geworden sind.
