Ray Lange hat nach 34 Jahren seinen Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr Taucha beendet. Auslöser war ein Bußgeld von 340 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot, nachdem er im Mai in einem Leiterwagen in einer 30-km/h-Zone mit knapp 70 km/h geblitzt worden war.
Warum der Fall jetzt so viel Aufmerksamkeit bekommt, liegt an dem Streit, der daraus geworden ist. Lange will die Strafe ab dem 9. Juni vor dem Amtsgericht Eilenburg anfechten. Die Auseinandersetzung trifft die Feuerwehr in Taucha mitten in einer Phase, in der nach dem Vorfall weitere Kollegen ebenfalls gegangen sind.
Der Feuerwehrmann sagt, er sei auf dem Weg zu einem Einsatz gewesen. Als ihm die Sanktion mitgeteilt wurde, habe er gedacht, man wolle ihn hereinlegen: „Ich habe gedacht, die wollen mich verarschen. Geblitzt auf Einsatzfahrt“, sagte er. Die Behörde hält die Strafe dennoch aufrecht. Genau daran entzündet sich der Konflikt: War es eine zulässige Einsatzfahrt oder ein Verstoß, der auch für einen langjährigen Helfer Folgen haben muss?
In Deutschland dürfen Einsatzkräfte im Dienst grundsätzlich schneller fahren als erlaubt, wenn es die Lage erfordert. Die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer darf dabei aber nicht gefährdet werden, und die Regeln sind je nach Kommune unterschiedlich ausgelegt. Als Vergleich wird zudem auf Artikel 100 des Schweizer Straßenverkehrsgesetzes verwiesen, nach dem Fahrer von Feuerwehr-, Ambulanz-, Polizei- oder Zollfahrzeugen auf dringenden Fahrten unter bestimmten Bedingungen nicht bestraft werden, wenn sie mit der nötigen Sorgfalt fahren und das Einsatzhorn eingeschaltet ist.
Für Taucha ist der Fall deshalb mehr als ein einzelnes Verkehrsverfahren. Der Verlust eines erfahrenen Feuerwehrmanns nach 34 Jahren Dienst und der Abgang weiterer Mitglieder zeigen bereits, wie stark der Streit die Freiwillige Feuerwehr trifft. Am 9. Juni wird das Amtsgericht Eilenburg prüfen, ob die 340 Euro und das Fahrverbot bestehen bleiben.
