Crystal Palace-Anhänger sind nur 24 Stunden vor dem Finale der Conference League in Leipzig Opfer gewaltsamer Zwischenfälle geworden. Eine organisierte Gruppe griff am Dienstagabend Fans an, die im Stadtzentrum das Duell gegen Rayo Vallecano gefeiert hatten.
Auf Social Media kursierten später Bilder von Männern in Schwarz, die vor einer Bar auf Palace-Anhänger losgingen. Nach Angaben aus dem Umfeld des Vorfalls warfen die Angreifer Stühle und Glas, woraufhin die Polizei in Schutzausrüstung eingriff, die Täter zurückdrängte und die Lage beruhigte.
Die Gewalt traf ein Spiel, das für Palace sportlich und politisch aufgeladen ist. Der Klub hatte in der vergangenen Saison den FA Cup gewonnen und sich damit für die Europa League qualifiziert, wurde dann aber nach den UEFA-Regeln zur Klubbesitzstruktur aus dem Wettbewerb gedrängt; der Internationale Sportgerichtshof bestätigte die Ausgrenzung. Nottingham Forest rückte nach. Stattdessen führte Oliver Glasner sein Team durch die Conference League, in der Palace die Ligaphase auf dem zehnten Platz beendete und anschließend Zrinjski Mostar, AEK Larnaca, Fiorentina und Shakhtar Donetsk ausschaltete.
Mit dem Finaleinzug steht Palace nun 90 Minuten vor dem dritten englischen Siegerpokal in diesem Wettbewerb. West Ham und Chelsea haben den Titel bereits geholt, und ein Sieg am Mittwochabend würde für den Klub nicht nur den dritten Pokal binnen eines Jahres bedeuten, sondern auch ein direktes Ticket für die Europa League bringen. Genau deshalb kritisierte Palace die UEFA-Regel, die den Verein in die Conference League schickte, besonders scharf.
Offen bleibt, wer die Angreifer waren. Ihre Identität ist bislang nicht bestätigt, während die Spekulationen kreisen, ob es sich um Ultras von Rayo oder von FC Lokomotive Leipzig handelte. Die Polizei hatte nach dem Angriff rund 50 bis 60 mutmaßliche Rädelsführer eingekreist, die zuvor das Gebiet der englischen Fans attackiert hatten. Am Morgen hatten Palace- und Rayo-Anhänger in Leipzig noch friedlich Seite an Seite gefeiert.
Für die örtlichen Behörden war das ein Warnsignal. Leipzig stand vor dem Spiel am Mittwochabend ohnehin in höchster Alarmbereitschaft, und der Vorfall zeigt, wie schnell ein Endspiel an einem einzigen Abend von Fußballfest zu Sicherheitsfall kippen kann. Für Palace geht es nun nicht mehr nur um einen Titel, sondern darum, ob der Klub seine beste Saison seit Jahren mit einem europäischen Durchbruch abschließt.

