Omv-Chef Alfred Stern hat am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Konzerns in Wien vor anhaltenden Rohstoffengpässen gewarnt, die durch den Iran-Krieg und Schwierigkeiten beim Befüllen europäischer Gasspeicher verschärft werden. Die kurzfristige Gasversorgung sei zwar gesichert, sagte Stern. Die eigentliche Herausforderung liege jedoch in den Speicherfüllständen für die kommenden Monate.
Stern machte klar, dass Europa seine Speicher trotz weltweit knappem Angebot an Flüssigerdgas füllen müsse. Zugleich verwies er darauf, dass geopolitische Spannungen und der Iran-Krieg seit Jahresbeginn massive Verwerfungen im Welthandel ausgelöst hätten. Die Lage sei real, das Ergebnis ungewiss, sagte er. Europas Abhängigkeit von großen Importmengen sei größer als je zuvor.
Die Hauptversammlung selbst geriet mehrfach aus dem Takt. Junge Klimaktivisten unterbrachen die Sitzung über längere Zeit immer wieder mit Protesten, lauten Gesängen und Rufen. Aufsichtsratschef Lutz Feldmann musste die Versammlung mehrmals unterbrechen und bat die übrigen Aktionäre, nicht selbst gegen die Störer vorzugehen. Nachdem weitere Warnungen nichts brachten, ließ er die Aktivisten vom Sicherheitsdienst aus dem Saal führen. Feldmann kommentierte das mit den Worten: „Es ist erstaunlich, welches Energieniveau es bei diesem Wetter noch gibt“. Später verwies er weitere Störer unter dem Applaus sichtbar genervter Aktionäre hinaus und warf den Protestierenden wiederholt „Respektlosigkeit“ vor.
Der Ton auf der Versammlung spiegelte auch den Druck von Aktionärsseite wider. Deka Investment hatte vor dem Treffen eine Sonderdividende verlangt und angekündigt, das neue Vergütungssystem für den Vorstand nicht mitzutragen. Stern widersprach zugleich staatlichen Markteingriffen wie Sondersteuern oder Preisdeckeln und betonte, Omv habe seine Gaseinkäufe breit diversifiziert und sei von keinem einzelnen Lieferanten mehr abhängig.
Der scheidende Konzernchef, der bis August im Amt bleibt, nutzte die Versammlung auch für einen Abschied von seinen Vorgängern. Die Erfolge der vergangenen fünf Jahre wären ohne sie nicht möglich gewesen, sagte Stern und nannte Schenz, Ruttenstorfer, Roiss und Rainer Seele. Letzterem schrieb er zu, den Omv-Anteil an Borealis ausgebaut zu haben. Zugleich verwies er auf die Gründung von Borouge International mit Partner Adnoc Ende März als einen der wichtigsten Meilensteine der jüngeren Unternehmensgeschichte. Das Gemeinschaftsunternehmen, das Borealis, Borouge und Nova Chemicals zusammenführt, befindet sich nun in der Integrationsphase.
Omv und Adnoc hatten im März außerdem mitgeteilt, dass der geplante Börsengang von Borouge International wegen schwieriger Marktbedingungen auf 2027 verschoben werde. Für das laufende Jahr wurde zugleich die Dividende des Joint Ventures halbiert. Für Stern ist die Nachricht an diesem Mittwoch klar: Kurzfristig ist die Versorgung stabil, doch Europas Gaslage bleibt in den kommenden Monaten fragil, und die politischen sowie marktlichen Gegenwinde sind längst nicht abgeebbt.
