Claudio Aquino kam im klassischen Duell von Colo Colo gegen Universidad Católica von der Bank, doch der Abend brachte ihm keinen Auftrieb. Im Gegenteil: Nach der Partie wurde er als einer der schwächsten Punkte des Teams beschrieben, in einer Phase, in der seine Rolle im Kader immer kleiner wirkt.
Für Colo Colo ist das längst mehr als ein einzelner misslungener Auftritt. Aquino hat in der Saison 2026 bislang 15 Spiele absolviert, dabei zwei Tore erzielt und vier Vorlagen in 711 Minuten geliefert. Nach dem Match gegen Universidad Católica steht er nun bei 56 offiziellen Einsätzen für den Klub, mit acht Treffern und neun Assists in 3.648 Minuten. Das sind ordentliche Zahlen auf dem Papier, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte seines Jahres.
Jorge Contreras, der in den 1990er Jahren selbst die Nummer 10 von Colo Colo trug, ordnete die Lage gegenüber RedGol deutlich ein. Für ihn sind die Symptome klar: Wenn ein Spieler merke, dass auf ihn nur selten gesetzt werde, zeige sich das schnell im Auftreten und in der Haltung. Er sagte auch, das Schlimmste sei, die Arme sinken zu lassen; ein Profi müsse im Training beweisen, dass er die Voraussetzungen für die Mannschaft mitbringe.
Genau dort liegt der Kern des Problems. Contreras meint, Aquino wirke wahrscheinlich besorgt, niedergeschlagen und verärgert, weil man nicht auf ihn zähle. Ihm sei aufgefallen, dass der Mittelfeldspieler nicht immer den Eindruck mache, das Spiel seiner Mannschaft wirklich anzutreiben. Gerade daran müsse er arbeiten, um zu zeigen, was er einst bei Vélez gewesen sei. Der frühere Colo-Colo-Spielmacher fügte hinzu, Aquino könne auch Familie oder Freunde vermissen, was im Fußball vorkomme, in solchen Phasen aber zusätzliche innere Stärke verlange.
Die Bewertung trifft einen Spieler, der als große Figur für das hundertjährige Jubiläum von Colo Colo geholt wurde, sich im Klub aber bisher nicht festsetzen konnte. Stattdessen ist er nun eher als Einwechselspieler und verlorener Name im Vertrauen der Fans beschrieben. Sein Fall steht damit nicht nur für eine sportliche Delle, sondern auch für einen Verlust an Rückhalt und Selbstverständlichkeit in einem Umfeld, das schnelle Antworten verlangt.
Für Aquino bleiben nun nur noch ein paar Partien, um sein Niveau anzuheben. Gelingt ihm das nicht, dürfte sich Colo Colo in der Mitte des Jahres 2026 mit einem Abgang befassen müssen. Der nächste Abschnitt seiner Geschichte wird deshalb weniger an früheren Versprechen gemessen als an der Frage, ob er auf dem Platz noch genug Zeit hat, sie überhaupt einzulösen.

