Britische Streitkräfte trainieren für den Fall, dass sie nach einer Einigung zwischen den USA und Iran die Straße von Hormus von Seeminen räumen sollen. Auf der RFA Lyme Bay in Gibraltar zeigten britische Offizielle am Freitag Journalisten von drei US-Nachrichtenorganisationen, wie die Royal Navy mit Hightech-Mini-U-Booten nach Sprengkörpern im Wasser und auf dem Meeresboden sucht.
Die Räumung würde nicht beginnen, bevor eine Vereinbarung steht, die die Kämpfe beendet, betonten britische Offizielle. Al Carns, der für die britische Marine zuständig ist, sagte, die Royal Navy sei die beste der Welt. Zugleich verwies er darauf, dass Großbritannien seine Fähigkeiten zur Minenjagd über die vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre professionalisiert und stark ausgebaut habe, teils mit Frankreich, teils mit NATO-Partnern.
Die Demonstration in Gibraltar kam zu einem Zeitpunkt, an dem London und Paris in Europa eine Reihe von Treffen leiten, um die Schiffe und Systeme zusammenzustellen, die für das Räumen der Meerenge gebraucht werden. Die Royal Navy hat bereits einen Zerstörer in die Golfregion geschickt, Frankreich den Flugzeugträger Charles de Gaulle. Weitere Einheiten aus Deutschland, Spanien, Portugal und Italien sollen folgen. Nach britischer Darstellung sind 40 Länder von der globalen Energiekrise betroffen, die durch den Krieg ausgelöst wurde.
Im Zentrum des Plans steht die RFA Lyme Bay, die als Flaggschiff einer britischen Anstrengung dienen soll, in der Meerenge verminte Bereiche aufzuspüren und zu zerstören. Ein britischer Marineoffizier sagte, Großbritannien, Deutschland und andere NATO-Verbündete der USA hätten in autonome U-Boote investiert, die das Wasser und den Meeresboden nach Minen absuchen. Wenn Minen gefunden werden, setzen Taucher Sprengstoff daran oder zünden ihn daneben. Ein 1.000-Yard-Korridor soll zuerst freigemacht werden, damit rund 2.000 Schiffe und 20.000 Besatzungsmitglieder, die seit Monaten im Persischen Golf feststecken, hinausfahren können; danach soll ein zweiter Korridor für die einfahrenden Schiffe folgen.
Der Zeitplan zeigt die Friktion hinter der militärischen Vorbereitung: Die britischen Kräfte trainieren zwar schon, räumen aber nicht, solange Washington und Teheran keine Einigung erzielt haben. Das US-Militär verfügt derzeit nur über begrenzte Fähigkeiten in der Minenabwehr, während das Pentagon seine alternde Flotte der Avenger-Klasse ersetzt; dazu gehört auch die 36 Jahre alte USS Patriot mit ihrem hölzernen Rumpf. Die britische Übung auf der Lyme Bay wirkt damit weniger wie eine operative Anzeige unmittelbarer Stärke als wie ein vorbereiteter Beitrag zu einer möglichen multinationalen Öffnung der Straße von Hormus, deren Freigabe Monate dauern dürfte.

