Kimi Antonelli hat am Sonntag den Großen Preis von Kanada auf dem Circuit Gilles-Villeneuve in Montréal gewonnen und damit als 19-Jähriger seine Serie auf vier Grand-Prix-Siege in Folge ausgebaut. George Russell schied nach einem Motorschaden aus, nachdem sich die beiden Mercedes-Piloten zuvor ein direktes Duell geliefert hatten.
Antonelli holte damit nach Erfolgen in China, Japan und Miami seinen vierten Sieg hintereinander. Kein Fahrer hatte zuvor die ersten vier Grand Prix in Serie gewonnen. Für Mercedes war es ein widersprüchlicher Nachmittag: Einerseits führte Antonelli das Rennen an und verteidigte die Spitze bis ins Ziel, andererseits verlor Russell nach dem Zweikampf mit seinem Teamkollegen wertvolle Punkte und liegt nun 43 Zähler zurück.
Das Rennen begann unter schwierigen Bedingungen. Mercedes ging auf Slicks an den Start, während beide McLaren von Lando Norris und Oscar Piastri auf Intermediates losfuhren. Die ersten zwei Startversuche wurden abgebrochen, erst danach kam das Feld wirklich in Gang. In Runde drei wechselte Norris von Intermediates auf Slicks, in Runde sieben überholte Russell Antonelli, nachdem der Italiener beinahe das Heck des Teamkollegen getroffen hatte.
Hinter den beiden Mercedes-Piloten arbeitete sich Lewis Hamilton im Ferrari auf den zweiten Platz vor. Max Verstappen wurde Dritter und holte damit seinen ersten Podestplatz des Jahres. Für Hamilton war es ein weiteres Kanada-Kapitel in einer langen Karriere: 2007 hatte er dort seinen ersten von später 105 Grand-Prix-Siegen eingefahren. Der 41-Jährige hielt sich im Rennen im richtigen Moment aus den Problemen heraus und nutzte die Ausfälle vor ihm konsequent.
Der Bruch im Mercedes-Duell kam wenig später. Russell fiel mit Motorschaden aus, obwohl er nach dem Überholmanöver kurz Hoffnung auf einen langen Kampf mit Antonelli gehabt haben dürfte. Bradley Lord beschrieb die Lage im Team mit den Worten, die Blutdrücke seien schon hoch gegangen. Russell selbst brachte die Frustration und zugleich die Faszination des Rennens in knappen Sätzen auf den Punkt: Er habe keine Worte gefunden, sagte er. Zugleich erklärte er, es sei großartig gewesen und er habe es geliebt. Am Ende fasste er das Geschehen mit einem Satz zusammen, der den Nachmittag von Mercedes treffend beschreibt: Darum geht es im Rennfahren.
Antonellis Sieg ist mehr als nur der nächste Eintrag in die Statistik. Er bestätigt einen Formanstieg, der in der Formel 1 selten so geschlossen wirkt: Vier Rennen, vier Siege, dazu ein klarer Abstand im Titelkampf gegen den eigenen Teamkollegen. Für Mercedes bleibt die Frage, wie lange das Team zwei so unterschiedliche Geschichten in derselben Garage zusammenhalten kann. In Montréal lieferte Antonelli die Antwort auf der Strecke.

