Bevor in San Antonio am Sonntagabend überhaupt ein Ball hochging, gehörte der lauteste Moment des Abends nicht einem Dunk, einem Dreier oder einem Pfiff. Eine Gruppe von Nonnen, direkt nahe dem Parkett im Frost Bank Center platziert, segnete Spurs-Center Luke Kornet vor Game 4 gegen die Oklahoma City Thunder und löste damit eine der heftigsten Reaktionen der Fans aus, noch bevor das Spiel begonnen hatte.
Die Spurs nutzten den Abend dann auch sportlich. San Antonio schlug Oklahoma City mit 103:82 in Game 4 und glich die Western Conference Finals damit auf 2:2 aus. Victor Wembanyama half dabei, früh eine zweistellige Führung aufzubauen, während Kornet in 13 Minuten von der Bank sechs Punkte und sieben Rebounds beisteuerte — seine beste Partie der Serie.
Die Nonnen gehören zur San-Antonio-Gemeinschaft der Salesian Sisters of St. John Bosco, einer Gruppe, die über die vergangenen zwei Jahrzehnte immer wieder bei Spurs-Veranstaltungen zu sehen war. In dieser Saison hatten sie vor Game 4 kein Spiel besucht. Für viele Fans passt ihr Erscheinen trotzdem in ein längst bekanntes Bild: Einige schreiben den Schwestern seit Jahren Spurs-Glück und sogar Draft-Losglück zu.
Für Kornet hatte der Auftritt eine besondere Note. Der Center ist ein überzeugter Katholik, und Sr. Bernadette Mota sagte, er sei einer ihrer Lieblingsspieler, weil sie es sehr schätze, dass er sich nicht scheue, seinen Glauben öffentlich zu zeigen. Das machte die Szene am Spielfeldrand mehr als nur zu einer Kuriosität; sie verband einen Courtside-Moment mit einem Playoff-Spiel, in dem San Antonio dringend einen Halt brauchte.
Auch die Übertragung griff den Moment auf. Während des vierten Viertels scherzte NBC-Reporter Mike Tirico, Kornet solle die Nonnen für ihre Reise zu Game 5 nach Oklahoma City bezahlen. Nach dieser Nacht wirkt dieser Satz fast wie ein kleiner Nachhall eines Spiels, das schon vor dem Anpfiff in Erinnerung blieb — und das die Spurs mit ihrer besten Antwort auf das Seriengewicht des Abends in einen Ausgleich verwandelten.

