Los Angeles FC geht mit fünf Niederlagen in das letzte Spiel vor der Weltcup-Pause. Am Sonntagabend um 18 Uhr PT trifft LAFC auf die Seattle Sounders, live bei Apple TV und FOX, und die Partie hat für beide Klubs mehr Gewicht als ein normaler Ligatermin. Für LAFC geht es darum, den Anschluss im Westen nicht weiter abreißen zu lassen.
Die Tabelle erklärt, warum. LAFC ist nach Rohpunkten nur Achter im Westen, ligaweit 13., und auch nach Punkten pro Spiel nur Elfter. Seattle steht dagegen trotz des zweit-härtesten Spielplans im Westen und in der gesamten Liga auf Rang fünf im Westen, ist Vierter in der Supporters'-Shield-Wertung nach Punkten pro Spiel und hat damit die stabilere Saisonbasis. Das Duell kommt also zu einem Zeitpunkt, an dem die eine Seite dringend ein Ergebnis braucht und die andere sich auf Zahlen stützen kann, die besser aussehen als der Name des Gegners vermuten lässt.
Im Fokus steht dabei wieder Denis Bouanga. Der Angreifer hat in dieser Saison sechs Tore erzielt, kommt aber auf 185 Minuten pro Tor, nachdem er in seinen vorherigen vollen Spielzeiten eher im Bereich von 111 bis 127 Minuten lag. Er bleibt mit 3,5 Schüssen pro Partie aktiv und bringt 0,65 nicht verwandelte Torbeteiligungen pro 90 Minuten auf den Rasen. Das ist ordentlich, aber nicht mehr das explosive Profil, das LAFC in früheren Jahren so schwer zu verteidigen machte.
Genau dort liegt der größere Befund. Seit dem Start in die MLS war LAFC darauf ausgelegt, die wohl gefährlichste Kontermannschaft der Liga zu sein. Das aktuelle Team ist nicht mehr jene Version, die regelmäßig Endspiele erreichte und Titel gewann. Die Abschlüsse sind weniger scharf, und die Effizienz spricht nicht für die Hausherren: Die xG pro Schuss von LAFC reicht nur für Platz 25 in der Liga, Seattle liegt mit Rang 17 zwar besser, aber ebenfalls nicht im oberen Bereich.
Gleichzeitig ist das Spiel defensiv ungewöhnlich gut abgesichert. LAFC und Seattle gehören beide zu den besten drei Teams der Liga bei xGA pro Schuss und beide zu den besten fünf bei den gesamten xGA-Werten. Auch die erwarteten Tore liegen dicht beieinander: LAFC kommt trotz zwei Partien mehr nur auf einen um 0,34 höheren xG-Wert als Seattle. Das macht die Begegnung zu einem Spiel, in dem kleine Unterschiede über den Abend entscheiden können, nicht große Offensivzahlen.
Für die Sounders spricht zudem, dass Jordan Morris mit 0,60 nicht verwandelten Torbeteiligungen pro 90 Minuten knapp hinter Bouanga liegt, während Son Heung-Min bislang ohne Tor bei 3,29 xG steht. Das verleiht dem Spiel zusätzliche Schärfe, weil beide Angriffsreihen an diesem Punkt eher über Chancen als über Verwertung definiert werden. Genau deshalb dürfte die Partie offen bleiben, obwohl beide Teams defensiv in der Liga-Spitze stehen.
Der Kontext ist einfach und hart: Dieses Spiel ist der letzte Termin vor der Weltcup-Pause. Für LAFC ist es die Chance, die eigene Bilanz vor dem Stillstand etwas zu glätten und mit einem besseren Gefühl in die Pause zu gehen. Für Seattle ist es die Gelegenheit, die starke Tabellenlage gegen einen Gegner zu verteidigen, der trotz aller Probleme noch immer genug Qualität hat, um jeden Abend zu kippen.
Am Sonntag wird nicht nur ein Spiel entschieden. Es wird auch sichtbar, wie viel von dem alten LAFC noch übrig ist, wenn die Saison vorerst anhält und die Pause den Rest sortiert.

