Lewis Hamilton ist beim Sprintrennen in Montreal am 23. Mai 2026 von den Sportkommissaren entlastet worden. Sie sahen bei dem Ferrari-Fahrer zwar ein Verlassen der Strecke am kurvigen Abschnitt vor Kurve 13, fanden aber keinen Grund für eine Strafe wegen eines dauerhaften Vorteils.
Der Fall stand im direkten Schatten zweier härter geahndeter Zwischenfälle mit Liam Lawson am selben Punkt der Strecke. Nico Hülkenberg bekam eine 10-Sekunden-Zeitstrafe, weil er Lawson in Kurve 13 von der Strecke gedrängt hatte. Sergio Perez erhielt später ebenfalls 10 Sekunden, nachdem die Kommissare zu dem Schluss kamen, dass er Lawson auf der Geraden vor Kurve 13 nach rechts und dann wieder nach links gezwungen und so von der Strecke gedrängt hatte.
Im Hamilton-Fall kamen die Kommissare zu einem anderen Ergebnis als bei Hülkenberg. Sie erklärten, dass Wagen 44 auf dem Anflug an Kurve 13 vor Wagen 81 lag, durch die Schikane fuhr und wieder vor Wagen 81 auf die Strecke zurückkehrte. Der entscheidende Unterschied lag aber darin, dass Wagen 81 nach Ansicht der Kommissare nicht in einer Überholposition war. Deshalb sei Wagen 44 nicht als verteidigend eingestuft worden und habe nach den Driving Standards Guidelines keinen dauerhaften Vorteil erzielt.
Das ist der Kern, warum Hamilton an diesem Nachmittag keine Strafe erhielt, während Hülkenberg und Perez jeweils 10 Sekunden aufgeschlagen bekamen. Die Kommissare stützten sich dabei auf dieselbe Ecke, dieselbe Runde und ähnliche Bewegungen, aber auf eine andere Rennsituation. In Hülkenbergs Fall hieß es, Wagen 27 habe sich bei der Verteidigung gegen Wagen 30 in Kurve 13 von der Strecke entfernt, sei mit einem bleibenden Positionsvorteil wieder aufgetaucht und habe die Position nicht zurückgegeben.
Die Parallele machte den Kontrast noch deutlicher: Bei Hülkenberg wurde ausdrücklich festgehalten, dass er die Strecke verlassen, vor Lawson wieder eingereiht und den Platz nicht zurückgegeben habe. Bei Hamilton hingegen verneinten die Sportkommissare genau jene Voraussetzung, die aus einem Verlassen der Strecke eine Strafe hätte machen können. Hamilton war damit in der Bewertung nicht der verteidigende Fahrer, sondern ein Fahrer, der nach Einschätzung der Kommissare keinen lasting advantage aus der Szene zog.
Abseits dieser drei Fälle gab es am selben Renntag zwei weitere Entscheidungen. Lance Stroll entging einer Strafe, obwohl er die Einführungsrunde nach dem Aufstellen am Grid nicht mitfahren konnte, weil sein Wagen wegen eines technischen Problems vom Startplatz geschoben worden war. Esteban Ocon wurde nach einer Untersuchung wegen eines möglichen unzulässigen Reifendruck-Eingriffs durch sein Haas-Team ebenfalls entlastet. Die Kommissare kamen zu dem Schluss, dass kein Verstoß vorlag, und verwiesen darauf, dass Videobeweise zeigten, dass es keinen Kontakt mit dem Reifen gegeben habe, der Druck hätte entweichen lassen.
Für Hamilton bleibt damit ein sauberer Eintrag in einem Rennen, das vor allem über die Auslegung der Regeln an einer heiklen Stelle entschieden wurde. Wer dort als verteidigend gilt, wer in einer Überholposition ist und wer nach einem Verlassen der Strecke tatsächlich einen Vorteil behält, machte in Montreal den Unterschied zwischen Strafe und Freispruch aus.

