Regen könnte den Formel-1-Grand-Prix von Kanada am Sonntag noch einmal grundlegend verändern. Am Samstag lag die Regenwahrscheinlichkeit für das Rennen bei 65 Prozent, in der Stunde nach dem geplanten Start sogar bei 80 Prozent. Am frühen Sonntagmorgen wurde die Chance auf nasse Bedingungen für den angesetzten Beginn um 16:00 Uhr Ortszeit in Montreal auf 30 Prozent gesenkt.
Fernando Alonso machte deutlich, warum das Wetter in Montreal mehr ist als eine Randnotiz. „Wenn es regnet, ändert sich alles“, sagte er sinngemäß und betonte, dass niemand unter den neuen technischen Regeln bislang ein Rennen auf nasser Strecke bestritten habe. Für den Spanier ist der Maßstab einfach: Das Rennen zu Ende zu bringen. „Es wird eine Herausforderung. Für alle ist das neu“, lautete seine Einschätzung.
Die Sorge teilen mehrere Fahrer. Carlos Sainz sagte, er wolle sehen, wie sich die Autos und die Regenreifen im Nassen verhalten. Zugleich erinnerte er daran, dass sich Fahrer bei den Tests mit den Regenreifen stark beklagt hätten. Nach seiner Darstellung besteht das Risiko, dass die Reifen nicht auf Temperatur kommen, nicht richtig arbeiten und das Rennen dadurch sehr chaotisch wird. Oscar Piastri nannte nasse Bedingungen einen „großen Sprung ins Unbekannte“. Charles Leclerc sagte, es werde „sehr, sehr, sehr schwierig“, die Regenreifen auf Temperatur zu bringen, und verwies darauf, dass Regen normalerweise eine Chance sei, die aktuellen Probleme das aber noch komplizierter machten.
Der Kanada-GP steht damit im Schatten der Frage, wie gut die neue Generation der Formel-1-Autos überhaupt mit einem kalten, nassen Kurs zurechtkommt. Genau dort liegt der Prüfstein: Die Königsklasse hat unter den neuen technischen Regeln noch kein Rennen auf einer nassen Strecke erlebt, und die Fahrer erwarten vor allem eines — wenig Grip, wenig Vorhersagbarkeit und viel Improvisation.
Auch Pierre Gasly stellte sich auf ein unberechenbares Rennen ein. Er sagte, die Fahrer würden von dem überrascht sein, was im Regen passiert, und nannte die Bedingungen sehr kompliziert. Gleichzeitig zeigte er sich erleichtert, in den vergangenen Tagen zwei Testtage in Magny-Cours absolviert zu haben. Seine Silverstone-Filming-Day-Fahrt am 20. Januar sei ebenfalls unvergesslich gewesen, sagte er, und er werde sie für immer behalten. Für Gasly ist genau diese Vorbereitung wichtig, weil sich in Montreal alles um das Gleiche drehen dürfte: Reifen auf Temperatur bringen, Kontrolle behalten und Fehler vermeiden.
Die Wetterprognose hat das Rennen damit in den letzten Stunden vor dem Start bereits spürbar verschoben. Erst hieß es, Regen könne das Zeitfenster des Grand Prix direkt treffen; am Sonntagmorgen wurde die Wahrscheinlichkeit für nasse Bedingungen zwar zurückgenommen, aber nicht aus der Gleichung gestrichen. Für Zuschauer ist das die Art von Sonntag, an dem selbst kleine Änderungen in der Vorhersage das gesamte Rennen neu zeichnen können. Für die Fahrer ist es der erste echte Belastungstest unter einem Reglement, das im Trockenen schon Fragen aufwirft und im Nassen noch mehr.
Genau deshalb richtet sich der Blick in Montreal weniger auf reine Geschwindigkeit als auf Haltbarkeit und Reife. Wenn der Regen kommt, wird das Feld schnell sehen, wie viel Wert die bisherigen Testkilometer wirklich haben — und wer das neue Auto besser versteht als die Konkurrenz.

