Lesen: Marco Odermatt im Schatten des FIS-Streits: Verbände gehen gegen Eliasch vor

Marco Odermatt im Schatten des FIS-Streits: Verbände gehen gegen Eliasch vor

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Mehrere Skiverbände aus der Schweiz, Österreich, den USA und Norwegen haben sich erstmals öffentlich gegen FIS-Präsident gestellt und wollen ihn bei der nächsten Wahl aus dem Amt drängen. Eliasch will am 11. Juni am für weitere vier Jahre bestätigt werden.

Der Widerstand kommt zu einem Zeitpunkt, an dem es um mehr geht als um Personalfragen. Ein Pass und die Unterstützung des zuständigen Verbandes sind Voraussetzungen für eine Kandidatur, und Eliasch verfügt über einen georgischen Pass sowie eine Nomination aus Georgien. Die Schweizer und die österreichische Seite verzichteten auf eine solche Nomination. Dass nun mehrere Verbände gemeinsam Position beziehen, ist deshalb ein direkter Angriff auf seine Ausgangslage vor dem Kongress.

Die Verbände haben sich in einem Brief an die übrigen FIS-Mitgliedsländer gewandt; das Schreiben liegt der NZZ vor. Unterzeichnet wurde es von hohen Funktionärinnen und Funktionären aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, den USA, Kanada, Norwegen und Spanien. Darin schreiben sie, die FIS befinde sich in einer sehr ernsten finanziellen Lage, die sich in den letzten fünf Jahren erheblich verschlechtert habe. Die Barreserven seien stark geschrumpft, die jährlichen Betriebskosten deutlich gestiegen, und die Einnahmen hätten sich nicht wie erwartet entwickelt. Das Budget sei dem Council zuletzt weniger als 24 Stunden vor dem letzten Meeting vorgelegt worden.

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Die Unterzeichner nennen den Vorstoß zugleich als Chance für einen Kurswechsel. In dem Schreiben sprechen sie von einer „wichtigen Gelegenheit, um Vertrauen, Zusammenarbeit und langfristige“ Perspektiven zu stärken. Die Botschaft richtet sich nicht nur an Eliasch, sondern an die gesamte Organisation: Wer die Finanzen der FIS für problematisch hält, soll das nun nicht mehr hinter vorgehaltener Hand tun.

Hinter dem offenen Konflikt steht ein Spannungsverhältnis, das den Skisport seit Eliaschs Wahl 2021 begleitet. Laut dem Bericht gibt es seither eine latente Unzufriedenheit vieler Akteure mit seinem Gebaren und Wirken. Für die großen Verbände ist dabei vor allem entscheidend, dass gesunde FIS-Finanzen auch kleineren und mittleren Mitgliedern zugutekommen, die oft von Zuwendungen des Weltverbandes abhängen. Genau diese kleineren und mittleren Verbände sind zugleich entscheidend, wenn Eliasch bei der Abstimmung in Belgrad tatsächlich gestürzt werden soll.

Entscheidend wird damit nicht nur, ob die großen Verbände ihre Kritik geschlossen durchhalten, sondern ob sie genug Stimmen in dem System bündeln können, in dem rund achtzig stimmberechtigte Mitgliedsverbände je nach Größe und weiteren Faktoren zwischen einer und drei Stimmen haben. Nicht einmal zwanzig Verbände bekommen das Maximum an Voten. Für Eliasch wird der 11. Juni damit zu einer Abstimmung über mehr als eine zweite Amtszeit; für seine Gegner geht es um die Kontrolle über die FIS in einer Phase, in der Geld, Macht und Vertrauen zugleich unter Druck stehen.

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