Lesen: Tatort Königinnen: Bolzenschuss, Machtmissbrauch und ein Mordverdacht in Gmeining

Tatort Königinnen: Bolzenschuss, Machtmissbrauch und ein Mordverdacht in Gmeining

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liegt mit einem Loch in der Stirn auf der Intensivstation, nachdem er mit einem Bolzenschussgerät angegriffen worden sein soll. Der Präsident des ist ausgerechnet am Tag der großen Produktköniginnenparade verletzt worden, und die ermittelt im fiktiven Gmeining.

Der Fall aus „Tatort: Königinnen“, der 2023 von Rudi Gaul nach dem Drehbuch von Robert Löhr inszeniert wurde, läuft während der aktuellen Tatort-Sommerpause auf erneut. und kommen Gehrling früh nicht als Opfer eines fremden Anschlags vor. Sie halten es für möglich, dass er sich selbst verletzt hat. Die beiden stützen sich dabei auf einen Mann, der als chauvinistischer Machtmensch gezeichnet wird: Gehrling starrt, greift zu und macht anzügliche Bemerkungen. Die Ausstrahlung bringt damit einen Fall zurück ins Programm, der Sexualharassmement, Machtmissbrauch und eine Gesellschaft verhandelt, die Täter schützt und Opfer alleinlässt.

Der entscheidende Hinweis kommt über , eine Nördlinger Zwiebelmonarchin, die den Ermittlern als Polizeistudentin und Produktkönigin hilft. Sie lenkt Leitmayr und Batic zu der Weißwurstkönigin, der Honigkönigin und der Spargelkönigin. Nach ihren Hinweisen verdichtet sich der Verdacht, dass die drei Königinnen Gehrlings Übergriffe nicht nur kannten, sondern seine Verfehlungen öffentlich machen wollten. Genau darin liegt die Wucht des Films: Nicht der Überfall auf Gehrling steht im Zentrum, sondern das System dahinter, in dem Macht lange unangetastet bleibt, solange die Betroffenen schweigen.

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Die Episode arbeitet mit einem Umfeld, in dem dutzende Produktköniginnen auftreten und Repräsentation zur Fassade wird. bringt die Haltung auf einen bitteren Satz: „Die Mädchen wissen doch, worauf sie sich einlassen.“ Später fällt auch, dass Gehrling ihr einst näherkam, als sie jünger war und als Kissinger Rosenkönigin auftrat. Für Annelie ist die Lage klarer als für viele im Ort: „Man muss eine Königin sein, um wie eine Königin denken zu können.“ Der Satz beschreibt auch die Ermittlung selbst, denn nur wer die Logik dieses Systems kennt, erkennt die Gewalt darin.

Dass Leitmayr und Batic sofort an einen Selbstverletzungsversuch denken, ist der eigentliche Haken des Falls. Es passt nicht in die bequeme Lesart vom Opfer und dem klaren Täter. Gerade diese Reibung macht „Tatort: Königinnen“ im Sommerprogramm wieder sehenswert: Der Film fragt nicht nur, wer Gehrling angegriffen hat, sondern warum ein Mann mit seiner Macht so lange durchkam. Die Antwort liegt in der Ordnung, die ihn schützte. Im Gmeining von „Tatort: Königinnen“ fällt das Urteil damit am Ende deutlich aus: Nicht ein einzelner Angriff ist das Verbrechen, sondern das Milieu, das ihn möglich machte.

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