Alexander Zverev startet am 24. Mai 2025 in seine French-Open-Kampagne, und wieder richtet sich der Blick auf dieselbe Frage: Wann gewinnt der Deutsche endlich sein erstes Grand-Slam-Turnier? Für Bundestrainer Michael Kohlmann ist die Antwort nicht daran zu messen, wie oft Zverev zuvor knapp gescheitert ist.
Kohlmann sagte, er sehe den Hamburger nicht als Spieler, der dauerhaft einen „Rucksack“ mit sich herumtrage. Der Wunsch nach dem großen Titel sei bei ihm stärker als die Last des bislang fehlenden Triumphs, und in dieser Saison wirke Zverev geordneter, ruhiger und mental deutlich stabiler. „Insgesamt sehe ich ihn mental aktuell auf einem sehr hohen Niveau“, sagte Kohlmann. „Auf diesem Niveau ist das keine Überraschung. Und ich sehe nicht, dass ihn das nachhaltig verunsichert.“
Der Zeitpunkt macht die Worte besonders relevant. Zverev reist mit einer Bilanz nach Paris, die auf dem Papier solide aussieht und doch die alte Debatte neu belebt. Er gewann im April 2025 sein jüngstes Turnier, in acht Turnieren des Jahres 2026 scheiterte er nur zweimal vor dem Halbfinale, zugleich steht gegen Top-10-Spieler ein 0:5. Beim Masters in Rom verlor er im Achtelfinale gegen Luciano Darderi mit 6:1, 6:7, 0:6 und vergab dabei vier Matchbälle. Für einen Spieler, der seit Jahren zu den Besten der Tour zählt, sind das die Zahlen, an denen sich die Erwartungen vor einem Major festsetzen.
Gerade Paris ist für Zverev mit einer langen Serie verpasster Chancen verbunden. 2022 gab er das Halbfinale der French Open gegen Rafael Nadal wegen einer schweren Sprunggelenksverletzung auf. Zwei Jahre später unterlag er Carlos Alcaraz nach einem langen Kampf im Finale. Schon 2020 hatte er das US-Open-Endspiel in fünf Sätzen gegen Dominic Thiem verloren. Die nächste Station steht nun wieder in Paris an, und die Geschichte lässt sich dort für Zverev in beide Richtungen lesen: als Belastung oder als Beleg dafür, dass er den ganz großen Titel noch immer in Reichweite hat.
Kohlmann sieht den Fehler nicht im Kopf, sondern höchstens im Detail. Die Niederlage in Rom sei für ihn kein Warnsignal für die French Open, sagte er. Solche Spiele könnten einen Spieler eher noch fokussierter machen. Bei einem Grand Slam müsse die Konzentration von Beginn an da sein, auch in Partien, die zunächst kontrollierbar wirken. „Insofern kann so eine Niederlage den Blick für Details noch einmal schärfen“, sagte Kohlmann. Für Zverev ist das mehr als ein Trost. Es ist die Hoffnung, dass ein Rückschlag kurz vor einem Major eher schärft als hemmt.
Genau darin liegt der Kern dieser French Open für Zverev. Die Frage in Deutschland bleibt, wann er endlich einen Grand-Slam-Titel gewinnt. Kohlmann glaubt nicht, dass der 28-Jährige daran vor dem ersten Aufschlag zerbricht. Paris wird eher zeigen, ob Zverev die alte Erwartung endlich in einen Titel ummünzen kann — oder ob der nächste Versuch erneut an der Schwelle zum größten Erfolg endet.

