Bischof Grünwidl hat am Samstag am Rande einer Firmung nach guten Gesprächen bestätigt, dass Toni Faber pensioniert wird. Damit rückt der langjährige Dompfarrer aus der ersten Reihe, während in Wien zugleich eine ältere Generation von Priestern sichtbar wird, die ihren Weg aus dem Amt längst hinter sich hat.
Herbert Bartl sagt, die Plattform der Priester ohne Amt gebe es noch. Die Gruppe trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat im Andachtsraum des Pflegewohnheims Neumargareten. Bartl beschreibt eine Gemeinschaft, die aus Priestern besteht, die Beziehungen eingegangen und aus dem Priesterdienst ausgeschieden sind. Er bringt dabei einen Satz auf den Punkt, der die Lage der Runde erklärt: „Wir haben das Problem, dass wir langsam, aber sicher überaltern“.
Bartl, 1943 geboren, steht für diesen Lebensweg wie kaum ein anderer. Er lernte in der katholischen Arbeiterjugend eine junge Frau kennen, bekam seine erste Tochter, bevor er den Heiligen Vater darum bat, heiraten zu dürfen, und sagt über diesen Schritt: „Natürlich“ — „sonst hätte ich mich nicht weihen lassen.“ Heute spricht er offen darüber, dass mindestens ein Drittel seines Jahrgangs denselben Weg gegangen sei. Über jüngere Priester sagt er dagegen, sie blieben oft im Amt und lebten ihre Beziehung trotzdem. „Sie leben einfach ihre Beziehung, toleriert von der Gemeinde und oft auch vom Bischof, solange man kein großes Aufsehen darum macht“, sagt Bartl.
Die Geschichte dieser Gruppe ist auch eine Geschichte der Hoffnungen, die sich verschoben haben. Die ältere Generation habe auf Liberalisierung gesetzt, sagt Bartl; die jüngeren Priester seien häufiger im Amt geblieben. Das macht den kleinen Kreis in Neumargareten zu mehr als einem Treffpunkt. Er ist auch ein Ort, an dem sichtbar wird, wie die katholische Kirche in Wien mit Lebensläufen umgeht, die einst aus dem System herausgeführt haben. In der Berichterstattung über Toni Faber und seine bevorstehende Pension hat das eine direkte Folge: Mit seinem Rückzug schließt sich nicht nur eine persönliche Amtszeit, sondern auch ein Kapitel kirchlicher Öffentlichkeit, das lange von einzelnen Gesichtern getragen wurde.
Peter Gardowsky, 1968 in Breitensee geweiht, erzählt aus derselben Generation, aber aus einem anderen Abschnitt. Später lernte er seine Frau kennen und schloss eine geheime Partnerschaft als Kaplan gemeinsam mit ihr aus. „Wir hätten die Möglichkeit gehabt, dass ich als Kaplan weiterarbeite und wir eine geheime Partnerschaft leben“, sagt er. „Aber wir haben das lang gemeinsam besprochen und ziemlich bald völlig ausgeschlossen.“ Gardowsky ließ sich dispensieren, wurde Religionslehrer und später Sozialarbeiter in der Psychiatrie in Gugging.
Bartl selbst arbeitet seit 2008 als selbsternannter Seelsorger in dem Pflegewohnheim, das er zuvor 20 Jahre lang als Direktor geleitet hatte. Er sagt über diese Aufgabe: „Ich empfinde es als Aufgabe, die ich nicht aufgeben will.“ Nach eigener Darstellung habe ihn nie jemand gefragt, ob er das überhaupt dürfe oder nicht. „Ich mach’ es einfach“, sagt er. „Und ich habe auch nie gehört, dass ich es nicht tun soll.“ Genau diese Mischung aus Gewohnheit, Selbstverständnis und stiller Duldung prägt die Welt der Priester ohne Amt — und sie erklärt, warum der Rückzug eines prominenten Dompfarrers wie Faber nicht nur Personalnachricht ist, sondern auch ein Signal dafür, wie sehr sich das kirchliche Gefüge in Wien verändert hat.

