Die Wiener Dompfarre am Stephansdom soll im Sommer 2027 neu besetzt werden. Josef Grünwidl bestätigte das am Samstag, 23. Mai 2026, im Ö1-"Mittagsjournal" und verwies als wichtigste Gründe auf die lange Amtszeit von Toni Faber und dessen Erreichen des Pensionsalters im kommenden Jahr.
"Es gab in der Geschichte des Dompfarrers niemanden, der 30 Jahre dieses Amt ausgeübt hat", sagte Grünwidl. Faber habe damit "einen Rekord aufgestellt". Zugleich betonte der designierte Wiener Erzbischof, dass die Entscheidung keinen Rückzug Fabers aus der Seelsorge oder vom Stephansplatz bedeute. Der Schritt ist damit weniger ein Abschied als eine Neuordnung nach fast drei Jahrzehnten, in denen Faber die Seelsorge am Wiener Dom maßgeblich geprägt hat.
Die beiden traten an diesem Samstag im Wiener Stephansdom gemeinsam auf und feierten dort eine Firmung. Im ORF-Interview sprachen sie offen über ihre lange persönliche Verbindung. Faber sagte, er sei mit Grünwidl "seit 45 Jahren in guten Gesprächen". Grünwidl erinnerte daran, dass sie im Stephansdom am selben Tag zu Priestern geweiht worden seien. "Nicht die dicksten Freunde" seien sie, sagte er, aber eben "in einem sehr guten Gespräch".
Faber machte zugleich deutlich, dass er sich nicht aus dem kirchlichen Alltag zurückziehen will. Priester und Seelsorger zu bleiben, sei für ihn "in meiner DNA eingeschrieben", sagte der 64-Jährige, der am 18. März 1962 in Wien geboren wurde. Besonders freue ihn eine vermittelnde Brückenfunktion zwischen Kirche, Glaube, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur; diese Tätigkeit wolle er "ganz konkret im Dienst an Menschen" fortsetzen. Vor einem "Pensionsschock" fürchte er sich "ganz sicher nicht".
Der Dompfarrer ist seit 1997 in der Wiener Dompfarre tätig. Am 1. Jänner 1999 ernannte ihn Kardinal Christoph Schönborn zum Dompfarrer von St. Stephan. Davor war Faber von 1980 bis 1987 im Priesterseminar und studierte an der Universität Theologie. Nach der Priesterweihe 1988 arbeitete er zunächst ein Jahr in der Dompfarre Wiener Neustadt, bevor er 1989 drei Jahre lang Studienpräfekt im Wiener Priesterseminar wurde. Seit Dezember 1989 war er erzbischöflicher Zeremoniär bei Kardinal Hans Hermann Groer, seit September 1995 bei Erzbischof Christoph Schönborn. Im Jahr 2000 wurde er Mitglied des Wiener Domkapitels, von 1999 bis 2024 war er zudem Dechant der Inneren Stadt.
Faber hatte zuvor gegenüber dem Standard, Kurier und der Presse bestätigt, dass er mit der Leitung der Erzdiözese Wien in guten Gesprächen sei. Nennenswert bleibt nun vor allem, welche Aufgaben ihm nach der Neubesetzung konkret bleiben. Mit Grünwidls Zusage, dass er weiter in der Seelsorge und am Stephansplatz gefragt sein soll, deutet sich ein Übergang an, der die Person Faber nicht beendet, sondern ihre Rolle neu zuschneidet.

