Milo Rau denkt privat nach eigenen Worten kaum über Geld nach. Der Intendant der Wiener Festwochen sagte, er schaue nur dann auf sein Bankkonto, wenn die Karte plötzlich nicht mehr funktioniert und eine Überweisung nötig wird.
Rau sagte, er habe keine Anlagen und nie über seine Pension nachgedacht. „Eigentlich gar nicht“, sagte er auf die Frage, ob er sich um Geld kümmere, und ergänzte: „Ich habe auch keine Anlagen.“ Gleichzeitig verwies er auf zwei Töchter und darauf, dass er dank eines guten Steuerberaters darauf achte, nicht pleitezugehen.
Der Interviewrahmen ist klar: Es geht um Reichtum, Vergänglichkeit und finanzielle Absicherung bei einem Künstler, dessen Arbeit immer wieder auf das Verschwinden zielt. Rau verknüpft das mit seinem Theaterverständnis. Die Produktion „Das beste Stück aller Zeiten“, an der er derzeit probt, wird nach seinen Angaben sechs Mal gezeigt und verschwindet dann für immer. Theater, so seine Logik, sei nicht für die Ewigkeit gemacht.
Diese Haltung zieht sich durch seine Antworten. Rau sagte, er habe die Logik der Anlage und der Kapitalanhäufung nie verstanden. Er versuche das auch seinen Töchtern zu vermitteln. Zugleich gab er zu, absurd viel Geld für Reisen ausgegeben zu haben. Wenn er etwas wolle, scheue er keine Kosten, sagte er. Fehle ein Betrag von 10.000 Euro für ein Projekt, würde er das Geld sofort investieren.
Auch privat beschreibt sich Rau als jemand, der mit Besitz wenig am Hut hat. Er habe ein kleines Haus, gehe gern im Garten und wandere. Er sei extrem naturverbunden. Gleichzeitig lebt er nach eigener Darstellung mit einem realistischen Blick auf das Risiko seiner Arbeit. Weil seine Reisen ihn immer wieder in Konfliktzonen führen, etwa in den Kongo oder in den Nordirak, habe er eine sehr gute Lebensversicherung abgeschlossen. Seine Familie sei im Fall seines Todes „wirklich sehr gut abgesichert“, sagte er.
Genau darin liegt die Reibung seiner Aussagen. Rau spricht mit großer Gelassenheit über Geld, aber nicht aus Sorglosigkeit. Er beschreibt eine Lebensform, in der Unsicherheit einkalkuliert ist. Seine Familie wäre nach seinen Worten finanziell sogar besser gestellt, wenn er auf grausame Weise sterben würde, als wenn er im Bett stürbe. Das ist kein beiläufiger Satz, sondern die nüchterne Konsequenz eines Berufs, in dem er sich selbst als gefährdet sieht.
Seine Gedanken über das Ende gehen noch weiter. Rau sagte, er habe den Wunsch, auf der Bühne oder zumindest in Sichtweite der Bühne zu sterben. Er nannte das einen „Molière-Traum“. Für einen Intendanten wie ihn, der die Wiener Festwochen prägt und dessen Arbeiten immer wieder auf Präsenz, Abschied und Verlust setzen, passt diese Selbstbeschreibung zum künstlerischen Programm. Das Gespräch zeigt am Ende nicht einen Mann, der Vermögen anhäuft, sondern einen, der sein Leben und seine Arbeit als etwas Vorläufiges begreift.

