Das Grand Prix von Kanada startet am Sonntag um 22.00 Uhr in Montreal, und Mercedes reist mit einem spürbaren technischen Paket an. Der Rennstall bringt an diesem Wochenende ein Upgrade mit, darunter neue aerodynamische Teile, einen neuen Frontflügel sowie Änderungen an der Frontaufhängung und am Unterboden. Auch an der Elektronik haben die Ingenieure gearbeitet, um die Starts zu verbessern.
Besonders im Blick steht Kimi Antonelli, der nach seinem Sieg in Miami nun bei drei aufeinanderfolgenden Erfolgen steht. Der 28-Jährige formulierte es nach seinem jüngsten Triumph selbstbewusst: George werde in Kanada sicher wie immer super stark sein und ganz sicher auf den Sieg losgehen. Zugleich sagte er, er fühle, dass er noch mehr Kontrolle über den Wagen habe. Für Mercedes ist das eine starke Ausgangslage, weil der junge Fahrer inzwischen als Favorit im Titelkampf gesehen wird, während George Russell nach seinem Saisonsieg am Auftaktwochenende nur 20 Punkte dahinterliegt.
Russell kennt Montreal bestens. Er gewann das kanadische Rennen im vergangenen Jahr von der Pole Position und gehört damit zu den Fahrern, die auf dem Circuit Gilles-Villeneuve schon bewiesen haben, wie viel ein gutes Qualifying dort wert sein kann. Mercedes hatte vor dem Wochenende die Führung in der Konstrukteurswertung inne, und das Timing des Updates ist kein Zufall: McLaren, Ferrari und Red Bull hatten ihre Autos bereits für Miami nachgelegt, nun zieht Mercedes nach.
Auch Red Bull kommt mit frischen Ideen nach Kanada. Technikdirektor Pierre Wache sagte, das Team habe in Miami einen klaren Schritt nach vorn gemacht und werde in Montreal weitere kleine Updates bringen. Für ihn war das Wochenende am Ende ein positiver Schub, weil sich die harte Arbeit auf der Strecke gezeigt habe. Max Verstappen kam in Miami zweimal auf den fünften Platz, was den Befund untermauerte, dass Red Bull wieder näher an die Spitze gerückt ist, auch wenn der Abstand nach wie vor spürbar bleibt.
Für Mercedes ist die Lage doppelt interessant, weil das Team nicht nur auf die Technik, sondern auch auf die Fahrerform schaut. Antonelli gewann in Miami und baute seine Serie auf drei Siege aus, während Russell zu Saisonbeginn als Titelanwärter gegolten hatte. Jetzt wirkt die Rollenverteilung anders. Der Brite bleibt mit seinem Sieg im Auftaktrennen in Reichweite, doch Antonelli tritt mit dem Schwung eines Fahrers an, der sich im Auto zunehmend sicher fühlt und in Montreal sofort unter Beweis stellen kann, ob die jüngsten Verbesserungen auch unter Rennbedingungen tragen.
Hinzu kommt die besondere Historie von Lewis Hamilton, der mit Montreal bestens vertraut ist. Er gehört zu vier aktiven Fahrern mit mindestens einem Sieg in Kanada und teilt sich mit Michael Schumacher den Rekord von sieben Erfolgen auf dieser Strecke. Hamilton wurde in Miami Sechster, Charles Leclerc kam als Achter ins Ziel. Für Ferrari war das kein Durchbruch, sondern eher ein weiteres Wochenende, das zeigte, wie hart umkämpft die Spitze inzwischen geworden ist.
Montreal wird damit zum ersten echten Prüfstein für das nächste Kapitel in dieser Saison. Mercedes bringt das Update nicht als Geste, sondern als Antwort auf den ersten Teil des Jahres. Wenn der neue Frontflügel, die geänderte Unterboden-Architektur und die Software für die Starts greifen, kann sich das Kräfteverhältnis schon an diesem Sonntag verschieben. Wenn nicht, bleibt Mercedes mit einem Auto an der Spitze, das zwar schnell ist, aber den Abstand zur Konkurrenz nicht mehr aus eigener Kraft vergrößert.

