In der Donnerstagsausgabe von „Bares für Rares“ tauchte ein Schmuckstück auf, das selbst im Händlerraum für hörbares Staunen sorgte: eine Kette und ein passendes Armband, deren glänzende Elemente keine Edelsteine waren, sondern echte Panzer südamerikanischer Schildkäfer. Horst Lichter reagierte erst mit einem „Oha oha oha“, dann mit dem Ausruf: „Das sind die Panzer von kleinen Käfern!“
Wendela Horz bestätigte die ungewöhnliche Herkunft der Stücke und ordnete sie in eine Zeit ein, in der solche Mode deutlich anders bewertet wurde. „So ist es“, sagte sie zu Lichters Einwurf und erklärte, dass früher Abertausende dieser Käfer verarbeitet worden seien. „Die ganz mutigen Damen haben sich auch damit geschmückt“, sagte die Expertin. Die Kette und das Armband entstanden vermutlich zwischen 1890 und 1900 und waren laut Expertise für ihr Alter von weit über 130 Jahren erstaunlich gut erhalten. Den Wert schätzte Horz auf 500 bis 700 Euro.
Im Händlerraum blieb das Stück kein Kuriosum für die Vitrine. Fabian Kahl griff nach einem Bieterduell zu und kaufte den Käferschmuck für 700 Euro. Zuvor hatte Julian Schmitz-Avila schon offen gemacht, was er von dem Material hält: „Käfer find ich ganz fürchterlich.“ Auf die Frage von Anaisio Guedes, ob die Verkäuferin das Schmuckstück selbst getragen habe, kam die knappe Antwort: „Nein. Ich trage keine toten Tiere um den Hals.“
Genau dieser Satz traf den Kern des Auftritts. Die Stücke waren alt, gut erhalten und in ihrer Machart heute kaum noch vorstellbar. Horz sagte dazu: „Damals hat sich niemand Gedanken gemacht, was das für das Tier bedeutet“. Heute, so ergänzte sie, sei man „Gott sein Dank weiter“ und gehe zumindest vielerorts respektvoller mit Tieren um. Dass die Käfer nicht unter Schutz stehen, machte den Verkauf überhaupt erst möglich. Der Handel mit dem Schmuck war damit legal, auch wenn der Anblick für viele im Studio eine kleine Zumutung blieb.
Die Sendung zeigte an diesem Donnerstag noch ein zweites Objekt, das in einer ganz anderen Liga spielte: ein Designerstuhl aus Dänemark, entworfen in den 1990er-Jahren von Verner Panton und bekannt als „Pantonic 5010“. Detlev Kümmel eröffnete seine Begutachtung mit einem trockenen „Selber gebastelt oder designt.“ und stellte dann klar: „Das Stück stammte aus Dänemark und wurde in den 1990er-Jahren von Designer Verner Panton entworfen.“ Die Verkäufer hofften auf 800 Euro, doch wegen der Neulackierung lag die Expertise bei 500 bis 600 Euro. Am Ende zahlte Walter „Waldi“ Lehnertz 510 Euro.
Der Abend zeigte damit zwei sehr unterschiedliche Seiten von bares für rares: einmal ein Schmuckstück, das aus Insektenpanzern gefertigt wurde und dank seiner Geschichte überraschend hoch gehandelt wurde, und daneben ein Designklassiker mit kleinerer Spanne zwischen Wunsch und Marktwert. Bei Lichter blieb vor allem der Käferschmuck hängen. „Wow, cool“, sagte er am Ende — ein Satz, der in diesem Fall weniger über Schönheit als über das Erstaunen über ein Stück Modegeschichte sagte.

