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Fabian Güstrow: Polizei widerspricht Gina H.s Alibi vor Rostocker Gericht

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Im Mordprozess um den verschwundenen hat ein Polizeibeamter vor dem 3. Strafsenat des Rostocker Landgerichts ausgesagt, dass Gina H. nur ein lückenhaftes Alibi geliefert habe. Der Beamte berichtete am Donnerstag, er habe die 30-Jährige drei Tage nach am 10. Oktober 2025 in ihrem Haus in Reimershagen aufgesucht.

Gina H. habe ihm damals gesagt, sie habe an dem Tag, an dem Fabian verschwand, den ganzen Tag in ihrem Pferdestall gearbeitet. Später habe eine ausführlichere Schilderung bekommen: Gina H. habe sich in Güstrow auf dem Weg zur Bank befunden und dann eine Bekannte getroffen. In Untersuchungshaft habe sie ihm noch eine weitere Version erzählt. Für die Anklage ist das ein zentrales Problem, weil ihre Angaben zum Ablauf des Tages nicht zusammenpassen.

Der Fall kreist um einen Toten, der erst später gefunden wurde. Fabians Leichnam lag nahe einem Teich bei Klein Upahl im Landkreis Rostock. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft lockte Gina H. den Jungen aus der Wohnung seiner Mutter, tötete ihn auf heimtückische Weise und setzte seine Leiche in Brand. Die Anklage geht außerdem davon aus, dass sie glaubte, Fabian habe einer erneuten Beziehung mit Fabians Vater im Weg gestanden.

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Hinzu kommt ein weiteres Detail, das die Ermittler seit Monaten beschäftigt: Der Pickup-Truck von Gina H. wurde am Tag von Fabians Verschwinden in Güstrow von einer Überwachungskamera erfasst. Ein Nachbar sagte aus, der Wagen sei an diesem Morgen nicht auf der Straße hin und her gefahren und habe etwa 80 Meter von Fabians Wohnung entfernt gestanden. Diese Spur passt nach Einschätzung der Anklage eher zu einer gezielten Annäherung als zu einem zufälligen Aufenthalt in der Nähe.

Der Prozess verläuft auch deshalb so aufgeladen, weil Fabians Mutter als Nebenklägerin an jedem Verhandlungstag im Saal sitzt und den Raum verließ, wenn erneut belastende Details vom Fundort der Leiche geschildert wurden. Die Großmutter sagte vor Gericht, sie wolle gar nicht wissen, was mit Fabian im Oktober 2025 geschehen sei. Auf die Frage nach ihrem Wissen sagte sie: „Ich weiß nicht.“

Fabians Vater kennt Gina H. aus einer früheren Beziehung. Er sagte später, sie habe ihm im Herbst 2025 noch eine andere Version von diesem Tag genannt. Nach Angaben aus dem Verfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den Vater selbst. Zugleich sagten andere Zeugen, Fabian habe sich in den Monaten vor seinem Verschwinden auf Besuche bei seinem Vater gefreut. Genau dieser Gegensatz prägt den Fall: familiäre Nähe auf der einen Seite, tödlicher Bruch auf der anderen.

Der Gerichtstag brachte damit vor allem eines: Das Alibi von Gina H. wird nicht stabiler, sondern brüchiger. Für die Kammer bleibt nun entscheidend, welche ihrer Versionen sie für glaubwürdig hält und ob die unterschiedlichen Angaben zusammen mit den übrigen Spuren reichen, um die Anklage zu tragen.

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