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Nsdap Mitgliederkartei online: Wer in den Parteikarten steht und warum es zählt

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Seit März sind große Teile der -Mitgliederkarteien online einsehbar, und die Nachfrage ist so hoch, dass die Server zeitweise überlastet waren. Die Karteikarten enthalten Namen, Geburtsdatum, Beruf, aktuelle Adresse, Mitgliedsnummer und manchmal sogar ein Foto. Ergänzt werden sie durch das Datum des Aufnahmeantrags und der Aufnahme in die Partei.

Damit lässt sich ein Leben in der Partei oft genauer verorten als bisher. Bis zum Kriegsende waren 8,5 Millionen Menschen NSDAP-Mitglieder, und viele von ihnen tauchen nun in den digitalisierten Unterlagen des US-Nationalarchivs auf. Wer einen Namen sucht, stößt auf eine Quelle, die schnell Verbindungen sichtbar macht, aber noch keine Gesinnung beweist. Die Karteien zeigen, wer registriert war. Sie sagen nicht, wer überzeugter Nazi war, wer Mitläufer blieb oder wer nur auf Vorteile wie einen Arbeitsplatz hoffte.

Gerade das macht den frühen Aufnahmeantrag so wichtig. Ein Datum vor 1933 kann ein Hinweis auf frühe und besonders feste Nähe zu sein. Es bleibt aber ein Hinweis, kein Urteil. Die Unterlagen wurden in den vergangenen Jahren digitalisiert und in diesem Frühjahr freigeschaltet, sodass die Recherche heute in wenigen Schritten beginnen kann.

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Wer tiefer gehen will, kommt an den Entnazifizierungsakten aus dem nicht vorbei. Dort liegen 1,15 Millionen Akten, 720.000 davon sind online einsehbar. Für die Suche reichen Name und am besten auch das Geburtsdatum. Mit dem Begriff erscheint eine Trefferliste, sofern eine passende Datei vorhanden ist. Ist der blaue Button Digitalisat öffnen zu sehen, geht es direkt im DFGViewer der Deutschen Forschungsgemeinschaft weiter. Dort finden sich im besten Fall Ausbildungs- und Berufsangaben, Einkommensverhältnisse oder Zugehörigkeiten zu Verbänden.

Die Kombination aus NSDAP-Mitgliederkartei und Entnazifizierungsakte ist damit mehr als ein Archivservice. Sie ist für Historiker, Familienforscher und alle, die nach belastbaren Spuren suchen, oft der einzige Weg, eine Parteikarriere oder eine belastete Biografie überhaupt einzuordnen. Dass derzeit alle personenbezogenen Entnazifizierungsakten bis zum Geburtsjahrgang 1922 online recherchiert werden können, macht die Bestände erstmals in großem Umfang zugänglich. Offen bleibt oft nicht, ob jemand in den Akten auftaucht, sondern was die Unterlagen am Ende über sein tatsächliches Verhalten sagen können.

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