Stellantis will den europäischen Kleinwagenmarkt mit einer neuen Reihe günstiger Elektroautos aufmischen. Die ersten Fahrzeuge sollen 2028 fertig sein und im Fiat-Panda-Werk in Pomigliano d'Arco nahe Neapel vom Band laufen.
Der Konzern nannte auf Anfrage einen möglichen Preis von rund 15.000 Euro und spricht von erschwinglichen E-Cars. Die Modelle sollen in Größe und Leistungsgrenzen an japanische Kei-Cars erinnern, die auf Minimalismus statt auf große Reichweite oder üppige Ausstattung setzen. Für einen Konzern, der Fiat, Peugeot und Citroën unter einem Dach vereint, ist das mehr als ein neues Produktprogramm. Es ist der Versuch, ein Segment zurückzugewinnen, das viele Hersteller in Europa längst aufgegeben haben.
Antonio Filosa sagte, die Kunden wünschten sich eine Renaissance kleiner, stilvoller Fahrzeuge, die mit Stolz in Europa produziert würden und zugleich erschwinglich und umweltfreundlich seien. Genau auf dieses Publikum zielt Stellantis mit dem Vorstoß. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Idee kleinerer Autos in ihrem Automobilpaket aufgegriffen. Der neue Kurs hat damit politische Rückendeckung, auch wenn er wirtschaftlich weiter auf dünnem Eis steht.
Denn in Europa müssen Autos unabhängig von ihrer Größe bestimmte Sicherheitsanforderungen erfüllen. Dazu kommen Vorgaben bei Cybersecurity und Emissionen, die kleine Modelle besonders teuer machen. Was früher ein Einstiegssegment war, ist für Hersteller in den vergangenen Jahren schnell unprofitabel geworden. Viele Anbieter haben deshalb ihre kleinsten Baureihen gestrichen oder ausgedünnt.
Der Plan von Stellantis kommt zudem in einem Markt, der noch immer unter seinem früheren Niveau liegt. In Europa wurden in den vergangenen Jahren rund zwei Millionen Fahrzeuge weniger verkauft, und der Markt bleibt klar unter dem Vor-Corona-Stand. Der Konzern steht dabei unter besonderem Druck durch Überkapazitäten. Mit günstigen Stromern will er nicht nur neue Käufer finden, sondern auch Werke und Marken besser auslasten.
Offen bleibt, ob die Rechnung aufgeht. Stellantis hat zugleich angekündigt, zwei weitere Modelle in Spanien gemeinsam mit Leapmotor zu bauen, an dem der Konzern eine Minderheitsbeteiligung von 21 Prozent hält. Das zeigt, wie breit der Hersteller nach Lösungen sucht. Wenn das neue Kleinwagenprogramm 2028 tatsächlich startet, dürfte es für Stellantis um mehr gehen als um einen weiteren Elektroflitzer: Dann entscheidet sich, ob der europäische Kleinwagen überhaupt noch eine Zukunft als Massenprodukt hat.

