Lesen: Friburgo und Nova Friburgo: Wie die Schweizer Kolonie in Brasilien begann

Friburgo und Nova Friburgo: Wie die Schweizer Kolonie in Brasilien begann

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Nova Friburgo verdankt seine Entstehung einem Beschluss aus dem Jahr 1818, der aus einer Idee eine Kolonie machte. Am 16. Mai unterschrieb . ein Dekret, das dem Agenten des Kantons Fribourg, , erlaubte, am Fazenda do Morro Queimado eine Siedlung für 100 Schweizer Familien aufzubauen. Der Ort war nicht zufällig gewählt. Sein Klima und seine natürlichen Merkmale galten als so ähnlich wie in der Schweiz, dass daraus die erste offizielle europäische Kolonie in Brasilien wurde.

Mehr als 200 Jahre später ist diese Herkunft in Nova Friburgo noch immer sichtbar. Die Stadt liegt 847 Meter über dem Meeresspiegel am Nordhang der Serra do Mar und gehört zum . Ihr Name taucht heute nicht nur in Geschichtsbüchern auf, sondern auch in der lokalen Identität: in der Architektur, in der Küche, in der Käse- und Bierproduktion. Wer sich in der Stadt bewegt, stößt auf den Schweizer Bezug nicht als Museumsetikett, sondern als lebendigen Teil des Alltags.

Die Kolonisierung begann mit einer Reise, die den Preis dieser Gründung deutlich machte. Nach Angaben der verließen am 4. Juli 1819 insgesamt 2.006 Auswanderer die Schweiz. In der Kolonie kamen 1.631 an. Auf dem Weg wurden 389 Todesfälle und 14 Geburten registriert. Das sind keine Randzahlen, sondern die Bilanz eines Unternehmens, das auf dem Papier geplant war und auf See einen Teil seiner Menschen verlor. Der Weg nach Brasilien führte nicht in eine leere Geschichte, sondern in eine Region, die vom Hunger in Europa mitgezeichnet war.

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Der Hintergrund reicht in die Jahre 1815 und 1816 zurück, als der Ausbruch des Tambora-Vulkans in Indonesien den Planeten abkühlte und das sogenannte Jahr ohne Sommer brachte. Ernteausfälle und Hunger prägten große Teile Europas. Aus dieser Krise heraus gewann die Auswanderung an Gewicht. Für Brasilien bedeutete das eine gezielte Ansiedlungspolitik, die Nova Friburgo zu einem frühen Symbol europäischer Präsenz im Land machte. Später folgten 1824 343 protestantische Deutsche unter Pastor ; ihre Gemeinde war die erste lutherische Gemeinschaft in Brasilien.

Der Schweizer Faden blieb dennoch der sichtbarste. In den 1960er-Jahren schloss die Stadt eine Kooperationsvereinbarung mit der Schweiz, aus der die entstand. Dort werden Käse nach Schweizer Art hergestellt, und ein Kolonisationsgedenkraum erinnert an die Anfänge. Die verbindet Geschichte und Gastronomie und produziert handwerklich Käse und Schokolade. Dazu kommt eine Küche, die Fondue, Cucas, Würste, gefüllte Enten und andere handwerkliche Käsesorten umfasst. Auch italienische, deutsche, syrische und portugiesische Einflüsse aus dem 19. Jahrhundert haben das geprägt.

Dass Friburgo heute in der Region auch als Reiseziel funktioniert, hängt nicht nur mit Geschichte zusammen. Im Artikel zu Final Europa League 2026: Aston Villa y Friburgo llegan a Estambul wird der Name des Vereins in anderem Zusammenhang geführt, doch in Nova Friburgo selbst steht der Ort für Natur und Herkunft zugleich. Die ländlichen Bezirke Lumiar und São Pedro da Serra mit Wasserfällen und natürlichen Becken sind Teil dieses Bildes. Und selbst das Klima bleibt Teil der Erzählung: Im August 2014 wurden dort minus 1,1 Grad gemessen. Für eine Stadt, die wegen ihrer Ähnlichkeit zur Schweiz ausgewählt wurde, ist das mehr als eine Fußnote. Es ist der Beweis, dass die Gründungsidee nie ganz verschwunden ist.

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