Ralf Wohlleben ist nach vollständiger Verbüßung seiner Strafe aus der Haft entlassen worden. Das teilte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mit und sagte, er habe seine Strafe voll verbüßt und sei aus der Haft entlassen worden.
Wohlleben war wegen Beihilfe zum NSU zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München hatte ihn im Juli 2018 schuldig gesprochen, weil er gemeinsam mit einem Mittäter eine Pistole für Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos beschafft haben soll. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil 2021.
Für den 2026-05-20 markiert seine Entlassung das Ende eines Falls, der die juristische Aufarbeitung der rechtsterroristischen Mordserie weiter geprägt hat. Wohlleben hatte bis 2018 bereits mehr als sechseinhalb Jahre in Untersuchungshaft verbracht, bevor die restliche Strafe vollstreckt wurde.
Die beschaffte Waffe wurde nach den Feststellungen des Gerichts von den Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds bei Morden eingesetzt, die bundesweit bis 2006 verübt wurden. Das Gericht sah als erwiesen an, dass sie für die Tötung von acht Männern türkischer Herkunft und eines Mannes griechischer Herkunft verwendet wurde.
Ein Antrag auf vorzeitige Entlassung nach zwei Dritteln der Strafe war im September 2022 vom Oberlandesgericht abgelehnt worden. Im November 2022 wies auch der Bundesgerichtshof die Aussetzung des Restes der Freiheitsstrafe zur Bewährung zurück. Damit blieb Wohlleben bis zum regulären Ende im Vollzug.
Untergebracht war er zuletzt in einer Hochsicherheitsanstalt in Burg in Sachsen-Anhalt, weil dort sein letzter Wohnsitz vor der Inhaftierung lag. Der Fall endet zwar mit der Entlassung, politisch aber nicht mit einem Schlussstrich.
Die Linken-Politikerin Katharina König-Preuss geht davon aus, dass Wohlleben in der Neonazi-Szene wieder eine Rolle spielen wird. Sie sagte, er werde dort mit offenen Armen empfangen und erneut eine relevante Rolle einnehmen. Zugleich betonte sie, Wohlleben habe während seiner Haft Unterstützung aus militanten Neonazi-Strukturen bekommen, darunter Solidaritätsbekundungen und Spendensammlungen.
Genau darin liegt die Spannung dieses Tages: Die Strafe ist verbüßt, doch die Szene, aus der die Unterstützung kam, existiert weiter. Nach Einschätzung von König-Preuss ist die Rückkehr von ralf wohlleben deshalb nicht nur eine Vollzugsfrage, sondern auch ein Test dafür, wie offen rechtsextreme Netzwerke ihre Unterstützer weiter einbinden.
