Filippo Ganna hat am 19. Mai 2026 das Zeitfahren beim 109. Giro d’Italia gewonnen. Thymen Arensman wurde für Netcompany - Ineos Zweiter und war damit der beste Fahrer der Gesamtwertung in diesem Rennen gegen die Uhr.
Jonas Vingegaard war eigentlich für Platz zwei erwartet worden, doch er lieferte ein mäßiges Zeitfahren ab. Für Ganna und Arensman bedeutete das einen erneuten Schlagabtausch auf hohem Niveau, diesmal auf einer Strecke, die fast viermal so lang war wie das Tirreno-Zeitfahren im März und teilweise über dieselben Straßen führte. Dort hatten beide schon einmal die ersten beiden Plätze belegt, damals mit Durchschnittswerten von 56,8 km/h für Ganna und 55,2 km/h für Arensman. Beim Giro lagen sie nun mit 54,9 km/h und 52,7 km/h etwas darunter, aber immer noch in einer eigenen Liga.
Ganna lobte den 29-jährigen Niederländer deutlich und sagte, Arensman sei superb gefahren, eigentlich wie beim Tirreno-Zeitfahren im März. Der Italiener erklärte auch, der Kopf habe diesmal schwerer arbeiten müssen, weil das Ziel in Tirreno wesentlich früher gekommen sei, während ihn das Team im Giro aus dem Auto gut unterstützt habe. Zugleich betonte er, der ganze Rennstall habe superb gearbeitet und mache Fortschritte. Für Netcompany - Ineos war das mehr als nur ein Einzelergebnis. Die Mannschaft steht beim 109. Giro d’Italia in einer rosigen Lage, auch weil sie auf der Managementseite neu geordnet wurde und sich sportlich stabil präsentiert.
Arensman selbst sprach offen darüber, dass der Job im Team manchmal auch persönliche Zurückhaltung verlangt. Er sagte, er fühle sich gelegentlich schlecht, wenn er jemandem seine Regenjacke gebe, weil er eigentlich selbst die Dinge tun wolle. Am Ende gehe es aber darum, Resultate zu bringen, während andere ihren eigenen Auftrag hätten. Genau diese Ergebnisse liefert er derzeit zuverlässig: Der Niederländer war bei dem Zeitfahren der stärkste Fahrer aus der Gruppe der Gesamtklassement-Leute und bestätigte damit seine Form.
Hinter dem guten Bild der Mannschaft steht trotzdem eine Spannung, die den Giro geprägt hat. Egan Bernal, der ursprünglich mit Arensman die Führungsrolle teilen sollte, liegt nicht mehr in den Top 10. Auf der Blockhaus-Etappe verlor er fast drei Minuten auf Vingegaard und mehr als eine Minute auf Arensman, sagte danach aber, er sei die besten 40 Minuten seines Lebens gefahren. Arensman wiederum beschrieb Bernal als guten Typen, als Krieger auf dem Rad und als entspannt abseits davon. Er sagte, er lerne weiter von Bernal, weil dieser unglaublich viel Erfahrung habe, und verwies auch auf Geraint Thomas, von dem er in früheren Jahren noch lernen konnte.
Thomas ist beim Giro vor Ort und inzwischen Director of Racing bei Ineos. Für das Team ist das ein bemerkenswerter Moment: Der Sieg von Ganna und der zweite Platz von Arensman zeigen, dass die Mannschaft in dieser Phase des Rennens nicht nur mitfährt, sondern das Zeitfahren beherrscht. Die Frage ist nun weniger, ob Netcompany - Ineos Tempo machen kann, sondern ob diese Form auch in den Bergen und im weiteren Verlauf des Giro trägt.

