Karin Prien sieht in der Neuordnung ihres Ministeriums eine politische Chance, beklagt aber zugleich zu enge finanzielle Grenzen. Seit Mai 2025 leitet sie das neu zugeschnittene Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und wirbt für einen Ansatz, der Bildung, Jugend und Familie stärker zusammen denkt.
„Selbstverständlich bin ich nach wie vor beseelt von der Chance, die gerade der neue Zuschnitt des Ministeriums bietet“, sagte Prien. Die frühere Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und Präsidentin der Kultusministerkonferenz will mit dem Ressort „Silos aufbrechen“ und „themenübergreifend arbeiten“. Für sie ist das mehr als ein organisatorischer Umbau. Es soll eine „ganzheitliche und generationenübergreifende politische Strategie“ ermöglichen, mit Schnittstellen zu Frauen, Gleichstellung und Senioren.
Der Zeitpunkt ihrer Aussagen ist brisant, weil der Bund seine Haushaltsprioritäten verschiebt. Prien machte klar, dass die stärkere Konzentration auf Verteidigung Realität sei und andere Ressorts beitragen müssten. „Ohne jeden Zweifel braucht es jetzt eine starke Konzentration auf den Verteidigungsbereich“, sagte sie. Zugleich räumte sie ein, dass sie sich „sehr gut noch eine zusätzliche Milliarde“ für ihre Themen hätte vorstellen können. Für das Ressort ist das kein Randthema: Es entscheidet darüber, wie viel vom politischen Anspruch am Ende mit Geld unterlegt wird.
Besonders deutlich wird das bei der Finanzierung der frühkindlichen Bildung. Der Bund stellt den Ländern vier Milliarden Euro für ein Investitionsprogramm für Kitas und Hochschulen bereit. Ursprünglich sollten die Kitas 3,76 Milliarden Euro aus diesem Programm erhalten. Nach Priens Darstellung haben die Ministerpräsidenten in die Verteilung eingegriffen; der Anteil für die frühe Bildung sei dadurch nach Schätzungen auf weniger als die Hälfte gefallen. „Die Entscheidung der Ministerpräsidenten weist in die falsche Richtung“, sagte sie.
Die Auseinandersetzung verweist auf ein Grundproblem der deutschen Bildungspolitik. Die Länder sind dafür in erster Linie zuständig und haben durch die Lockerung der Schuldenbremse zusätzlichen Spielraum gewonnen, während der Bund selbst enger rechnen muss. Prien sagte, genau diese Lockerung begrenze die Möglichkeiten der Bundesregierung. Gleichzeitig mahnt sie, dass gute Bildung in der Kita beginne und die Bildungsrendite bei den Kleinsten am höchsten sei.
Ihr Verweis auf den frühen Anfang ist kein pädagogischer Nebensatz, sondern der Kern ihres Arguments. Prien sagte, es gebe weiter massiven Nachholbedarf, vor allem in Vierteln mit schwierigen Lebensbedingungen. Dort entscheidet sich, ob aus dem neuen Ministeriumsformat tatsächlich mehr Zusammenarbeit wird — oder ob die Länder bei der Geldverteilung wieder die Richtung vorgeben. Aus Priens Sicht ist die Antwort schon jetzt klar: Ohne eine stärkere Priorität für die frühkindliche Bildung bleibt der Anspruch des neuen Ressorts kleiner als sein Name.

