Die English Football League hat Southampton am Dienstagabend von den Championship-Play-offs ausgeschlossen und den Klub zugleich für die Saison 2026/27 mit vier Punkten belegt. Die Entscheidung fiel nach einem Verstoß im Umfeld der Halbfinalvorbereitung auf Middlesbrough, kurz vor dem ersten Spiel der Serie.
Southampton hatte mehrere Verstöße gegen die EFL-Regularien eingeräumt, die mit dem nicht genehmigten Filmen des Trainings anderer Vereine zusammenhängen. Nach Angaben der Liga wurde ein Mitarbeiter des Klubs dabei erwischt, wie er Middlesbroughs Training kurz vor dem Hinspiel des Play-off-Halbfinals aufzeichnete. Das Spiel endete 0:0. Die Regeln der EFL untersagen es, das Training des Gegners innerhalb von 72 Stunden vor einem Spiel zu beobachten.
Die Folgen sind unmittelbar. Middlesbrough rückt durch Southamptons Ausschluss ins Play-off-Finale vor und trifft dort am Samstag, 23. Mai, auf Hull City. Für den Sieger steht der Aufstieg in die Premier League auf dem Spiel, und damit ein wirtschaftlicher Sprung von enormem Ausmaß: Die Einnahmen aus dem Finale werden auf rund 200 Millionen Euro geschätzt, in der Gesamtrechnung liegt der Wert bei etwa 230 Millionen Dollar.
Die Liga teilte mit, Southampton sei auf allen Anklagepunkten verwarnt worden. Außerdem hat der Klub nach EFL-Regeln das Recht, Berufung gegen die Entscheidung der Kommission einzulegen. Die Liga sagte zudem, die Parteien arbeiteten daran, eine mögliche Berufung für Mittwoch, den 20. Mai, zu klären.
Der Fall erinnert an den sogenannten Spygate-Skandal von 2019, als Leeds United nach der Spionage von Derby County unter Druck geriet. Marcelo Bielsa räumte den Vorfall damals ein. Seitdem hat die EFL ihre Regeln zum Beobachten gegnerischer Trainings verschärft. Genau diese verschärften Vorgaben stehen nun im Zentrum des Falls gegen Southampton.
Southampton selbst hat in der Saison 33 Spiele bestritten und dabei 20 Siege, 8 Unentschieden und 5 Niederlagen verbucht. Gerade deshalb trifft die Entscheidung den Klub sportlich hart: Ein Team, das sich über Monate in Reichweite des Aufstiegs gehalten hat, ist nun nicht nur aus dem entscheidenden Wettbewerb draußen, sondern startet auch mit einem Minuspunktekonto in eine spätere Saison. Die Liga hat damit ein Exempel statuiert, das über dieses Halbfinale hinausreichen soll.
Für Middlesbrough verändert die Entscheidung den Weg ins Finale, nicht aber dessen Preis. Gegen Hull City geht es am 23. Mai um den Platz in der Premier League und um einen der teuersten Spiele im Fußball. Für Southampton bleibt vorerst nur die Berufung. Ob der Klub die Sanktionen noch aufhalten kann, entscheidet sich nach der nächsten Verfahrensrunde – und womöglich schon am Mittwoch.

