Die Verbandsgemeinde Altenahr hat den Wiederaufbau des Ahrtals am Girls' Day erstmals als Bühne für technische Berufe geöffnet. Acht Schülerinnen besuchten die Verwaltung und schauten sich an, wie aus Sanierung, Planung und Bauprojekten ein Arbeitsfeld mit vielen Frauen wird.
Bürgermeister Dominik Gieler stellte den Tag mit deutlichen Worten vor: Der Wiederaufbau der Heimat sei „ganz klar auch Frauensache“. Für ihn ist das mehr als ein Slogan. Die Verbandsgemeinde hat 74 Beschäftigte, 46 davon sind Frauen; das entspricht 62 Prozent der Verwaltung. In der Bauabteilung liegt der Frauenanteil bei 66 Prozent. Gleichzeitig laufen dort rund 700 Sanierungs- und Wiederaufbaumaßnahmen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter koordinieren.
Die Mädchen bekamen bei ihrem ersten Girls'-Day-Besuch in dieser Form nicht nur Einblick in Büros, sondern auch in ein konkretes Projekt vor Ort: die Brücke „Vor Kiehren“ in Hönningen. Dort soll ab Mitte 2026 eine neue, 49 Meter lange Brücke über die Ahr entstehen, ohne Mittelpfeiler, hochwassersicher und mit einem Unterbau aus klimafreundlich produziertem Beton. Außerdem führte der Besuch die Schülerinnen zum Regionalbüro auf dem Sprengnetter Campus in Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo die Verwaltung gemeinsam mit Julius Berger International arbeitet.
Das ist der eigentliche Kern dieser Botschaft: Der Wiederaufbau im Ahrtal ist kein einzelnes Bauvorhaben, sondern eine langfristige Aufgabe aus Planung, Ingenieurarbeit und Projektsteuerung. Genau dort wollen die Verbandsgemeinde Altenahr und Julius Berger International ansetzen. Sie wollen Praktika, Ausbildung und den direkten Einstieg in ihre Arbeitsbereiche anbieten und damit vor allem junge Frauen ansprechen, die Technik oft noch nicht als naheliegenden Berufsweg sehen. Projektleiterin Alina Hahn sagte dazu, ihr sei wichtig, Schülerinnen zu zeigen, welche spannenden Möglichkeiten dieser Bereich Frauen biete. Sie ergänzte, der Wiederaufbau zeige ganz konkret, dass technische Berufe enorme Gestaltungsspielräume böten und Frauen dabei nicht die Ausnahme, sondern ein selbstverständlicher Teil des Teams seien.
Der Widerspruch zwischen Anspruch und Alltag bleibt trotzdem sichtbar. Während die Verwaltung den Frauenanteil betont und den Girls' Day bewusst mit Baustellenbesuch und Büroführung verbindet, ist der Wiederaufbau im Tal noch lange nicht abgeschlossen. Rund 700 Maßnahmen laufen parallel, und jede davon braucht Fachwissen, Abstimmung und Ausdauer. Gerade deshalb soll der erste Girls' Day in Altenahr offenbar mehr sein als ein Termin im Kalender: Er ist der Versuch, Nachwuchs früh an eine Region zu binden, die ihre Infrastruktur noch über Jahre neu aufbauen muss.
Für das Ahrtal ist das ein signalträchtiger Schritt. Wenn die nächste Generation dort ankommt, soll sie nicht nur zusehen, sondern mitarbeiten. Und die neue Brücke „Vor Kiehren“ wird dabei zu einem sichtbaren Maßstab dafür, wie sehr der Wiederaufbau schon jetzt auf den Beitrag von Frauen setzt.
